Kein Strom. Das geht nicht. Strom wird für die Musik gebraucht. Claudia Engelmann wuselt herum und löst das Übertragungsproblem. Dann organisiert sie einen Beamer.

Es ist Dienstag, Tag zwei vor dem Lichtenberger Rathaus. Claudia Engelmann, Mutter von zwei Schulkindern, harrt hier gemeinsam und im Wechsel mit anderen Eltern seit Montag aus. Tag und Nacht. Sie hat eine dreitägige Mahnwache auf die Beine gestellt. Müde wirkt sie nicht.

Zu wenig Lehrer, zu wenig Platz, übervolle Klassen 

Eine Stadträtin hat gerade Kaffee vorbei gebracht und Lichtenberger Bürger haben Kuchen gespendet. Blecheweise. Sogar im Schulamt sind zahlreiche Mitarbeiter voller Bewunderung für diese Eltern, die hier im Schichtdienst und außerordentlich kreativ ein Recht für ihre Kinder einfordern. Es ist das Recht auf ordentlichen Unterricht.

Die Eltern wollen, dass ihre Kinder ausreichend Platz in den Klassenzimmern erhalten, sie wollen mehr Lehrer und überhaupt einfach bessere Verhältnisse an den Schulen des Bezirks. Denn die Zustände sind schlecht. Zu wenig Lehrer, zu wenig Platz, kaum noch Teilungs- und Förderstunden, übervolle Klassen und Schulhöfe. Viele Lichtenberger Schulen arbeiten im Notfallmodus. Und nach den Ferien wird es noch schlimmer werden. Das wissen sie jetzt.

Lichtenberg, das muss an dieser Stelle gesagt werden, steht in Berlin besonders schlecht da. So wie auch Pankow. Es gibt einen enormen Rückstau bei der Sanierung und dem Neubau von Schulen.

Die Entwicklung, der Zuzug von Menschen, der Neubau von ganzen Wohnvierteln ist beim Schulbau verschlafen worden. Viele Jahre ist viel zu wenig Geld in neue Schulen investiert worden. Nun wird es viele Jahre dauern, das wieder aufzuholen.

Elf Schulen zu wenig

Am Mittwoch wird in dem Backsteinbau, den die Eltern belagern, das Desaster, auf Papier aufgeschrieben, zu einer amtlichen Tatsache werden. Denn am Abend wird im Rathaus der Entwurf eines Zahlenwerks vorgestellt: der neueste Schulentwicklungsplan.

Es ist ein Entwurf, weil er aus formalen Gründen erst noch ein paar bezirkliche Gremien passieren muss, bis amtlich sein wird, was ohnehin jeder weiß, der an diesem Tag vor der Rathaustür steht: dass es viel zu wenige Schulen in Lichtenberg gibt. Rein rechnerisch hat Lichtenberg 1129 Grundschulplätze zu wenig für all die Kinder, die in diesem Bezirk zur Schule gehen.

Das sind umgerechnet elf Schulen, die fehlen. Das heißt natürlich nicht, dass die Kindern dann nicht oder woanders zur Schule gehen. Sie müssen sich den Platz und die Lehrer eben teilen. In den nächsten Jahren wird das Problem noch größer werden. Dann werden es 2449 Plätze sein, die fehlen. Bei den weiterführenden Schulen sieht es nicht viel besser aus.

Hupen für mehr Schulen

Claudia Engelmann sitzt auf einer Bank vor dem Rathaus. Die Eltern haben Tische und Bänke aufgestellt, Luftballons aufgehängt und Schilder befestigt. Auf einem steht: „Hupen für mehr Schulen. Keine Massenhaltung für Kinder“. Vorbeifahrende Autofahrer tun das. Sie hupen, immer wieder. Ein Grill steht da für später.

Abends stellen die Eltern auch eine Feuerschale auf, das Holz liegt schon da. Da sitzen sie dann drum herum, bis der Morgen graut. Dann kommen auch mal die Mitarbeiter des Ordnungsamts und von der Polizei vorbei. „Die sind sehr nett, erkundigen sich, ob wir was brauchen und wünschen uns eine gute Nacht“, sagt Claudia Engelmann, „die unterstützen uns“.

Unterstützung gibt es auch im Senat. Innensenator Andreas Geisel hat zum Beispiel den Daumen hoch bei Facebook gepostet. Das gehört zu den absurden Details an der Situation in Lichtenberg. Die Eltern haben überall in der Politik Unterstützer. Als ob niemand Mitschuld daran trägt, dass die Verhältnisse so geworden sind.

Es wurde einfach nur enger

Claudia Engelmanns Kinder gehen in die Schule An der Viktoriastadt, eine Grundschule. „Vor vier Jahren wurde ich Gesamtelternvertreterin. Damals hieß es, unsere Schule werde in fünf Jahren statt 350 Kinder 850 haben. Es war klar, es muss etwas geschehen“, sagt sie. Stattdessen wurde es einfach nur enger.

Es ist ein Altbau mit kleinen Klassenräumen. Erst wurden die Horträume zum Unterrichten herangezogen, dann die frisch sanierte Aula zum Essensraum umgebaut, jetzt gibt es für jede Klasse eine Stunde weniger Sportunterricht, weil die Halle zu klein ist.

Mittlerweile müssen die Kinder aus der Viktoriastadt an einer anderen Grundschule eineinhalb Kilometer entfernt eingeschult werden, die Plätze werden für Kinder aus dem neu bebauten Gebiet an der Rummelsburger Bucht gebraucht. Dort gibt es gar keine Schule.

Shuttlebus zum Unterricht

Weil das alles aber immer noch nicht reicht, soll auf einem Schulhof ein Ergänzungsbau aufgestellt werden. Auf dem Hof ist dann eben weniger Platz. „Das kann es ja wohl alles nicht sein“, sagt Claudia Engelmann und reißt die Arme hoch, weil auf der Kreuzung wieder einer hupt.

Sie hat über die Organisation von Elternprotest gegen die Lichtenberger Schulmisere in die Politik gefunden, mittlerweile ist sie Bezirksverordnete für die Linke und gleichzeitig Vorsitzende des Bezirkselternausschusses.

Am Tisch sitzen noch zwei Eltern und erzählen von überfüllten Klasenräumen und allerlei Absonderlichkeiten. Eltern der Friedrichsfelder Grundschule zum Beispiel fanden am Freitag vor einer Woche einen Zettel in den Hausaufgabenheften ihrer Kinder. Darauf stand, dass die Fünftklässler nach den Ferien woanders zur Schule gehen werden. Ein Shuttlebus wird sie zwei Jahre lang hin und her transportieren.

32 statt erlaubter 26 Kinder

Zwei Lehrer, ein Mann und eine Frau, haben sich am Tisch dazu gesetzt. Sie unterrichten an einer Lichtenberger Gemeinschaftsschule. „Wir haben jetzt den Sportunterricht reduziert, und in jeder Klasse sitzen 32 anstelle von den eigentlich erlaubten 26 Kindern. Der Lärmpegel steigt und damit natürlich auch der Stress. Teilungs- und Förderunterricht fällt weg. Inklusion gibt es nicht mehr“, sagt der Lehrer.

Seine Kollegin ergänzt: „Wir haben vor zwei Wochen erfahren, dass wir nach den Ferien fünf siebte Klassen haben werden und nicht nur vier.“

Neues Rechnerprogramm für Lichtenberg

Solche Geschichten kann man in Berlin in vielen Bezirken hören. Im Unterschied zur Situation in anderen Teilen Berlins hat Lichtenberg aber jetzt ein Werkzeug, dass die Situation und die Entwicklung in den kommenden Jahren akkurat abbildet, viel genauer als in anderen Bezirken.

„Wir haben ein Planungsbüro beauftragt, ein Computerprogramm zu entwickeln, das ganz genau ausspuckt, wie sich das Schulvolk entwickelt. Es ist nicht nur Papier, es ist ein Rechnerprogramm, ein Instrument, mit dem man was anfangen kann“, sagt Bildungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU).

Für jede Schule und jeden Wohnblock im Bezirk wird genau erfasst, was der Stand der Dinge ist und welchen Bedarf es in Zukunft geben wird. Alle Bauvorhaben fließen ein. Der Plan aktualisiert sich quasi von selbst jedes Jahr.

Als die Zahlen am Mittwochabend vorgestellt werden, hat Deutschland gerade im Fußball versagt und ist in der Vorrunde aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Auf dem Platz vor dem Rathaus haben sich etwa 200 Menschen versammelt. Eltern sind mit ihren Kindern gekommen, Lehrer sind da.

Claudia Engelmann hat bis fünf Uhr früh an der Feuerschale gesessen, dann ist sie nach Hause, hat kurz geschlafen. Seit neun Uhr ist sie wieder da. Kampfeslustig. Im Haus wird jetzt der große Plan vorgestellt. Claudia Engelmann geht hinein, denn sie gehört zur Schul-AG.

57 Prozent mehr Grundschüler

Im Plan wird einführend erläutert, dass der Bezirk Lichtenberg im Berlinvergleich besonders stark gewachsen ist und weiter wachsen wird. Das betrifft vor allem auch die Zahl schulpflichtiger Kinder. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Kinder im Grundschulalter um 57 Prozent gewachsen, die der Jugendlichen im Alter von 12 bis unter 16 Jahren um 43 Prozent.

Der Plan geht davon aus, dass in Lichtenberg bis zum Jahr 2024 weitere 23.806 Wohnungen gebaut werden und rechnet in der Folge mit weiteren 2857 Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter.

Norden und Süden des Bezirks am stärksten betroffen

Zurzeit gibt es 49 öffentliche Schulen mit 23.583 Schülern. Das Defizit beträgt bei den Grundschulen jetzt 1129 Plätze. Zu erwarten sind in den nächsten Jahren 6000 zusätzliche Grundschüler. Hochgerechnet auf alle Schulen und unter Berücksichtigung von Zuzug und Bau neuer Schulen für das Schuljahr 2023/2024 werden dann 2449 Plätze fehlen. Besonders eng wird es im kommenden Schuljahr.

Mittelfristig sind der äußerste Norden und Süden des Bezirks am stärksten betroffen. „Der Bezirk Lichtenberg ist in den nächsten Jahren im gesamtstädtischen Vergleich einer der drei am stärksten wachsenden Bezirke Berlins“, heißt es im Planentwurf.

„Wir wollen nicht von einer Überlastung in die nächste rutschen“

Stadtrat Wilfried Nünthel betrachtet diesen Plan als Argument im Kampf um ausreichende Finanzen für neue Schulen. Er muss sich durchsetzen in der Senatsbildungsverwaltung, der für Finanzen, bei seinen Stadtratskollegen, im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses, das über den Haushaltsplan und die Verteilung der Mittel bestimmt. Gute Lobbyisten in eigener Sache waren die Lichtenberger in den vergangenen Jahren nicht.

Vor diesem Hintergrund begrüßt Nünthel natürlich die Elternaktion vor seiner Rathaustür. „Bei künftigen Wohnungsbauvorhaben muss sichergestellt sein, dass auch eine Schule da ist“, sagt Nünthel. Er werde sonst seine Zustimmung verweigern. „Wir wollen nicht von einer Überlastung in die nächste rutschen.“ In diesem Punkt hat der Politiker, der früher selbst als Stadtrat für Stadtentwicklung zuständig war, seine Haltung geändert. Er hat die Probleme quasi mit verursacht. „Auch im höheren Alter kann man aber dazu lernen“, sagt er.

Resignierte und kämpfende Schulleiter

Während drinnen das Zahlenwerk verlesen wird, hört man von draußen ein lautes Knallen. Das ist Teil der von den Eltern beigesteuerten Inszenierung. Die anwesenden Kinder sind mittlerweile mit Zahnstochern ausgerüstet worden und zerstechen jetzt die 1129 aufgehängten Ballons.

Über Mikrofon und Lautsprecher verstärkt zählen die Anwesenden die fehlenden Schulplätze aus. Der Ton ist im Raum der Schul-AG gut zu verstehen. Wie eine Mahnung – so ist es gedacht.

Wer in diesen Tagen durch die Lichtenberger Grundschulen tourt, trifft auf resignierte Schulleiter, solche, die das beste aus der Sache machen, aber auch auf Kämpfer. Wilfried Wolff leitet die Richard-Wagner-Grundschule im Lichtenberger Ortsteil Karlshorst, wo in den vergangenen Jahren besonders viel gebaut worden ist und viele Familien mit kleinen Kindern hingezogen sind.

„Wir haben 1990 mit 360 Schülern begonnen und liegen jetzt bei gut 610“, sagt Wolff in seinem Schulleiterbüro. „Die Fläche und damit der Platz sind leider nicht mitgewachsen, so dass es für die Kinder vor allem im Speiseraum und auf dem Schulhof enger geworden ist.“ Nun wird dicht getaktet zu Mittag gegessen. Zum kommenden Schuljahr werde die maximal erlaubte Klassengröße von 26 Kindern wohl erreicht werden.

Schulmisere hat auch soziale Folgen

Immerhin muss er die Fachräume zum Beispiel für Musik ab Sommer noch nicht zu gewöhnlichen Klassenräumen umwandeln. „Sollte die Schülerzahl aber tatsächlich weiter steigen, hätte das sicherlich Konsequenzen für unser musikbetontes Schulprofil.“ In Karlshorst hat sich deshalb schon vor Monaten ein Elternnetzwerk gegründet, um für zügigere Schulneubauten zu demonstrieren.

Die Lichtenberger Schulmisere hat auch soziale Folgen. Zum Bezirk Lichtenberg gehört das Wohngebiet Frankfurter Allee-Süd mit seinen Plattenbauten. Viele der ersten Bewohner sind mittlerweile verzogen oder auch verstorben. In der Folge sind hier wie auch in anderen Lichtenberger Neubaugebieten Familien mit Kindern eingezogen, die sich wegen der steigenden Mieten die Innenstadt nicht mehr leisten können.

Mehr psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten

Viele dieser Kinder aus mitunter schwierigen Familienverhältnissen besuchen nun die dortige Mildred-Harnack-Sekundarschule. Das Kollegium dort sieht sich überfordert und hat einen öffentlichen Protestbrief geschrieben. „Wir sehen nicht, wie wir unter aktuellen Umständen guten Unterricht für Kinder mit und ohne Förderbedarf machen können“, heißt es in dem Schreiben.

Die Zahl der Kinder mit psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten nehme zu. Nötig seien kleinere Klassen, fordert das Kollegium. Doch das dürfte in Lichtenberg auf absehbare Zeit unmöglich sein.

Auf der Suche nach Ursachen

Wieso aber fehlen in Berlin so viele Schulgebäude? Natürlich liegt das in erster Linie am Zuzug, an der steigenden Geburtenrate in den vielen neuen Wohnvierteln und an der Tatsache, dass in der Vergangenheit zahlreiche Schulgebäude abgerissen wurden.

Allerdings gibt es noch mehr Ursachen. Lichtenberg hat, zumindest in der Vergangenheit, nötige Schulbauten nicht immer frühzeitig bei der Investitionsplanung des Landes angemeldet. „Nur wer früh anmeldet, rutscht dann in der Priorität nach oben“, sagt ein Bauexperte in der Bildungsverwaltung. Wer zu spät komme, werde oft über viele Jahre vertröstet. 

Andererseits hat Lichtenberg in den vergangenen Jahren auch etwas richtig gemacht, was nun aber von Nachteil sein könnte. Denn die Bezirke haben vom Land pauschale Zuweisungen für den baulichen Unterhalt von Schulen bekommen. Und Lichtenberg war der Bezirk, der das Geld, was er für den Schulbau erhalten hat, auch wirklich vornehmlich dafür ausgegeben hat.

Anders etwa als Tempelhof-Schöneberg, wo für die Schulen bestimmtes Geld zur Sanierung von Rathäusern abgezweigt wurde. Anders auch als in Steglitz-Zehlendorf, wo Geld aus Personalmangel liegen blieb. Der Landesrechnungshof nannte das bereits eine „äußerst besorgniserregende Entwicklung“.

Nun aber stellt der Senat mit seiner „Schulbauoffensive“ in den kommenden zehn Jahren 5,5 Milliarden Euro für Neubau und Sanierung von Schulgebäuden zur Verfügung. Da Lichtenberg aber wegen der relativ guten Pflege seiner Schulen in der Vergangenheit anders als viele andere Bezirke kaum „Großschadensfälle“ vorweisen kann, dürfte viel von dem Geld eher woanders hinfließen.

Zumal der Sanierungsstau so gewaltig ist, dass einige Schulstadträte wie Andy Hehmke (SPD) aus Friedrichshain-Kreuzberg bereits kundtun, das Geld werde nicht reichen.

Besonderes Versäumnis in Lichtenberg

Immerhin wird die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge in Lichtenberg zwei Grundschulen und vier weiterführende Schulen im Bezirk bauen. Noch sind allerdings nicht einmal die Rahmenverträge mit dem Land Berlin unter Dach und Fach. Eine weitere Grundschule soll das Land in der Schleizer Straße bauen. Die von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) eingesetzte Taskforce Schulbau will zudem zwei weitere Grundschulen bauen.

Es gibt noch ein besonderes Versäumnis in Lichtenberg. Wohnungsbau-Investoren wurden lange nicht verpflichtet, Kitas und Schulen mitzubauen. Weder an der Rummelsburger Bucht noch im Karlshorster Siedlungsgebiet Carlsgarten mit seinen Einfamilien- und Reihenhäusern. 

Mittlerweile können Investoren zwar mittels städtebaulicher Verträge dazu verpflichtet werden, Kitas und Schulen zu errichten. Doch viele Lichtenberger Bauprojekte unterschreiten derzeit die dafür benötigte Mindestgröße, wie Norman Heise, der Vorsitzende des Landeselternausschusses sagt.

Proteste nicht mehr nur in westlichen Bezirken

Lange waren gut organisierte Elternproteste zur Behebung schulischer Probleme eher in den westlichen Bezirken zu beobachten, oder am ehesten noch in Pankow.

Der Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf beispielsweise hat schon vor mehr als zehn Jahren den Sanierungsstau an Schulen gegeißelt – mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie dem alljährlichen „Adventskalender der maroden Schulen“.

Dass sich jetzt so etwas wie zivilgesellschaftlicher Protest gegen die Zustände an den Schulen so massiv in Lichtenberg manifestiert, ist neu. Und hat auch etwas mit der veränderten Bevölkerungsstruktur zu tun.

Begrenzter Einfluss des Bezirks

Der Einfluss von Lichtenberger Politikern auf die Landespolitik ist allerdings immer noch begrenzt. Zwar hat die mitregierende Linke dort ihre Hochburg. Doch die für den Schulbau verantwortlichen Senatsverwaltungen für Bildung und Finanzen sind in SPD-Hand.

Und innerhalb der Berliner SPD hat der Bezirk Lichtenberg nicht allzu viel zu melden, auch wenn SPD-Innensenator Andreas Geisel aus dem Bezirk stammt. Dabei ist absehbar: Beim Thema Schulbau wird es noch massive Verteilungskämpfe ums Geld geben – und um die Frage, wo zuerst gebaut wird.