Lichtenberger Bürgerinitiative kämpft gegen die A100 vor ihrem Haus

Noch stehen die Bäume, noch ist der Grünzug unberührt. Kinder spielen, Rentner gehen spazieren, und nachts ist sogar eine Nachtigall zu hören. Von ihrem Balkon hoch oben im elften Stock kann Heidi Dlubek das Grüngebiet entlang der Ringbahn überblicken. „Ich wohne gerne hier“, sagt die 61 Jahre alte Physikerin.

Doch das wird sich ändern. Denn der Grünzug soll einer Autobahn weichen. Der Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans bekräftigt: Die A 100, die derzeit zwischen Neukölln und Treptow verlängert wird, soll bis Lichtenberg weitergeführt werden. „Für uns wird es laut“, klagt Heidi Dlubek. „Und aus unserem Haus wird eine riesige Lärmschutzwand.“ Sie hat eine Initiative gegen die geplante Autobahn gegründet.

Unser Haus – das ist die elfstöckige Gebäudeschlange an der Wilhelm-Guddorf-Straße in Lichtenberg. Auch Maritta Kotljarski wohnt in dem lang gestreckten Bauwerk. „1982 kam ich von Stralsund hierher, 1999 zog ich in den siebten Stock um“, erzählt die frühere technische Zeichnerin, die heute 65 Jahre alt ist. „Wir haben die Wohnung renoviert, uns alles schön gemacht. Wir wollen hier bleiben.“

Demo mitten auf der Kreuzung

2022 soll der 16. Bauabschnitt des Stadtrings, der zur Straße Am Treptower Park führen wird, fertig werden. Danach steht der Bau des 17. Abschnitts an. Termine gibt es noch nicht, aber eine Kostenschätzung (531 Millionen Euro). Und die Linienführung steht seit 17 Jahren fest.

Damit die neue Autobahn über die Spree führen kann, werden die östliche Hälfte der Elsenbrücke und die frühere Osthafendirektion abgerissen. In einem Doppelstocktunnel mit je drei Fahrstreifen (jeweils 25 Meter breit) führt sie unter dem Ostkreuz weiter nach Norden. Im Bereich des Wiesenwegs geht es unter der Ringbahn durch, bevor die Trasse erneut ans Tageslicht kommt.

Dann zwängt sich die A 100 zwischen den Häusern an der Wilhelm-Guddorf-Straße und dem Ring hindurch. Wenig Raum gibt es auch an der Frankfurter Allee. Weil dort kein großer Verkehrsknoten möglich ist, führt die Trasse über das Ring-Center hinweg weiter bis zur Storkower Straße. Das heißt, dass die Parkaue ebenfalls leiden wird. Die Linke im Bezirk erwartet, dass die Carl-von-Linné-Schule weichen muss.

Lärm- und Abgasbelastungen werden zunehmen, das Viertel verliert an Lebensqualität. Doch die Bürgerinitiative Wilhelm-Guddorf-Straße „A 100 ohne uns“ will das nicht hinnehmen. Unterstützt werden sie vom Grünen-Abgeordneten Harald Moritz. „Noch können wir uns wehren. Noch ist der Weiterbau der Autobahn nicht beschlossen“, sagt Heidi Dlubek.

Am 12. April von 15 bis 17 Uhr will die Initiative im Grünzug über den geplanten Autobahnbau informieren. Für Juli ist eine Demonstration am Knotenpunkt Frankfurter Allee/Möllendorffstraße geplant: Er soll mit rotweißem Flatterband kurzfristig gesperrt werden. „Uns geht es um Aufklärung“, sagt Heidi Dlubek. „Denn wir merken immer wieder, dass viele Anwohner nicht wissen, was hier auf sie zukommt.“