Berlin - Wenn am 9. Oktober in Berlin wieder Gebäude für das traditionelle „Festival of Lights“ beleuchtet werden, wird sich so mancher wundern und denken: Moment mal, das hatten wir doch gerade. Tatsächlich wird es dieses Jahr erstmals zwei Lichterfeste geben, bei denen Gebäude nachts auffällig beleuchtet werden. Zum „Festival of Lights“, das zum neunten Mal stattfindet, gesellt sich erstmals „Berlin leuchtet“. Es startet fünf Tage vorher, und soll etwas länger dauern als das traditionelle Festival.

Das Besondere daran: Die Initiatoren von „Berlin leuchtet“ sind die gleichen, die einst das Festival of Lights ins Leben gerufen haben. Die Männer, unter ihnen Lichtdesigner Andreas Boehlke, hatten 2005 die Idee, wichtige Gebäude dieser Stadt nachts zu beleuchten. So entstand das „Festival of Lights“, das dann von einer Agentur organisiert wurde und stetig wuchs. 2011 wurden bereits 80 Gebäude illuminiert, darunter der Fernsehturm, das Kranzler-Eck und das Brandenburger Tor, aber auch jede Menge Bürogebäude wie das Rathaus Wilmersdorf.

Neues Konzept und neuer Namen

Was nach außen wie eine Erfolgsgeschichte wirkte, gefiel den Initiatoren allerdings zunehmend weniger. „Wir hatten das Festival eigentlich als eine Form bürgerschaftlichen Engagements gegründet, weil wir etwas für Berlin machen wollten“, sagt am Dienstag Andreas Boehlke, der sich unter anderem mit der Kudamm-Weihnachtsbeleuchtung einen Namen gemacht hat und dem alljährlichen weihnachtlichen Lichterschmuck Unter den Linden. Dieses Engagement sei zunehmend verloren gegangen. „Stattdessen wurde es immer kommerzieller.“

Zwar sagt es keiner der Neu-Initiatoren, doch herauszuhören ist deutlich: Ihnen ging es zu viel ums Geld und wenig ums Konzept. Deshalb entstand im Herbst 2012 die Idee, noch einmal von vorn anzufangen, mit verändertem Konzept und unter neuem Namen – der alte ist geschützt. „Wir wollten wieder Spaß daran haben“, so Boehlke.

Der Verein „Berlin leuchtet“, der im Januar gegründet wurde, hat mittlerweile 30 Mitglieder, unter ihnen sowohl Einzelpersonen als auch Interessenvereinigungen von Einkaufsstraßen und Einkaufszentren, die wiederum selbst mehrere Mitglieder haben. „Wir vertreten damit fast 500 Gebäude in dieser Stadt“, sagt Thomas Schmalfuß, Geschäftsführer der Potsdamer Platz Management GmbH, der zugleich im Vorstand des neuen Vereins sitzt. Wichtig sei, dass der Verein keine eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolge und damit auch nicht auf Gewinn angewiesen sei. Anders als bisher sollen zudem die Vereinsmitglieder über das Konzept mitbestimmen können. Streit mit dem alten Veranstalter gebe es nicht, betonten die Lichterfest-Macher. „Wir wollen auch niemandem etwas streitig machen“, sagt Thomas Schmalfuß.

Auf sieben Touren durch Berlin

Das neue Lichterfest soll sich vom Festival of Lights unterscheiden. „Wir möchten auch Lichtkünstler für das Fest nach Berlin holen“, sagt Andreas Boehlke. Geplant ist zudem, Berliner und Touristen auf sieben Touren an den beleuchteten Gebäuden vorbeizuleiten. Räumlich will sich das Lichterfest auf die Bezirke Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf beschränken. Derzeit suche man noch nach möglichen Sponsoren, „die sollen sich aber nicht mit ihrem Logo in den Vordergrund stellen“.

Laut Boehlke ist geplant, auch sieben Bahnhöfe auf der Stadtbahn in das Fest einzubeziehen, möglicherweise soll sogar eine S-Bahn illuminiert werden. Schon jetzt, sagt der Licht-Designer, mache die Arbeit viel mehr Spaß als vorher. „Und wenn wir Plusminus Null da raus kommen, bin ich sehr zufrieden.“

Die Agentur Zander & Partner, die das Festival of Lights organisiert, wirbt im Internet bereits für die 9. Auflage und verspricht für Oktober ein „rauschendes Lichter- und Farbenmeer“. Die Berliner wird’s freuen: Hauptsache, schön bunt.