Jede fünfte Person in gemeinsamer Quarantäne hat angeblich zurzeit mehr Sex.
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BerlinHaben Sie eine heimliche Affäre? Dann erkennen Sie ein Problem, oder? Gut – als Sie damit angefangen haben, konnten Sie nicht ahnen, dass sich das Leben in jeder Beziehung verändern wird, auch in der außerehelichen. Was planen Sie? Treffen in der Wohnung gingen früher ja auch nur, wenn man da alleine wohnte oder wenigstens eine/einer von beiden. Aber jetzt drohen amtliche Strafen, wenn die Polizei einer Beobachtung von Nachbarn folgen und Sie als nicht gemeldete Person aus dem Liebesnest rausholen muss. Besuche in den Wohnungen der Lebensgefährtin oder des Lebensgefährten sind genehmigt. Aber Sie, mit Verlaub, Sie gehen ja nur fremd.

Hotels und Pensionen waren vor dem Virus gute Ausweichquartiere. Vor Jahren sah ich den Ehemann einer Freundin in einem abgelegenen Rundfunkheim. Er kam in Begleitung aus seinem Zimmer. Damals ging so etwas. Damals gab es Festivals, Messen, Kongresse, Pressevorführungen. Üblich war das persönliche Erscheinen, so entstanden jene Kontakte, die durch Videokonferenzen nicht annähernd ersetzt werden können.

Heutzutage darf man nicht einmal raus an die frische Luft – jedenfalls nicht ohne triftigen Grund –, und was man draußen darf, ist genau festgelegt. Aber wer den Ausflug doch privat riskiert: Kann sich ein Begehren bei anderthalb Meter Abstand auf der Parkbank erfüllen? Wer sich näher kommt, muss Strafe zahlen, 50 bis 500 Euro sind im Gespräch, schon eine Menge Geld. Auch die Pflicht zum Mundschutz wird, wenn die kommen sollte, sexuell abtörnen.

Viele Arten von Heimlichkeiten haben es gerade schwer. Weil alle immer zu Hause sind, können Einbrecher nicht arbeiten gehen. Wer in diesen Tagen so gut wie allein über den Alexanderplatz läuft, der macht sich vielleicht Gedanken über das verlorene Geschäft der Taschendiebe, die nicht mehr im Gewühl untertauchen können.

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Vibratoren mit Fernsteuerung

Das geforderte Social Distancing verändert die Sextoy-Branche: Die Verkaufszahlen der Spielzeuge sind besonders da gestiegen, wo es viele Corona-Fälle gibt – das stand so online im Iconist, dem Lifestylemagazin der Welt am Sonntag.

Jede fünfte Person in gemeinsamer Quarantäne habe zurzeit mehr Sex. Aber der Trend gehe bei der Hälfte dieser Paare und bei 73 Prozent der getrennt lebenden Paare zum Solo-Sex. Man hält eben Abstand. Für solche Toys liegen die Verkaufszahlen weit über den Prognosen. Wegen großer Ahnungslosigkeit habe ich mich jetzt ein bisschen eingelesen.

Marktführer ist die kanadische Firma We-Vibe mit „Moxie“. Der Vibrator kann selbst gesteuert werden oder, Überraschung, auch vom Partner über eine Smartphone-App. „Für eine Fernbeziehung ist das bestimmt ein nettes Gadget“, schreibt Iconist. Das wird die heimlichen Affären nicht abschaffen, aber sie könnten mit diesem Upgrade besser durchkommen.

Ich hielt Amerika immer für ein bisschen prüde. Doch jetzt veröffentlicht das New Yorker Gesundheitsministerium einen offiziellen Leitfaden für sichere Sexualpraktiken. „Alle New Yorker sollten zu Hause bleiben, um die Verbreitung von Covid-19 einzudämmen.“ Dann beschreibt das Ministerium die besten Formen des Schutzes – wie Masturbation. „Sie sind Ihr sicherster Sexualpartner.“ Aber das sollte nicht die einzige Freude bleiben.