Berlin - Bis zu seiner Räumung vor einem Jahr war es eines von vielen „alternativen Hausprojekten“, in denen ehemalige Besetzer billig wohnen. Im Vergleich zu anderen Besetzerhochburgen war es eher unbedeutend und seine Bewohner wegen ihrer Selbstbezogenheit in der linken Szene eher skeptisch beäugt worden.

Das änderte sich mit dem herannahenden Räumungstermin. Der Eigentümer wollte die Bewohner raushaben und das Haus teuer vermieten. Am Morgen des 2. Februar begannen Polizisten in das Haus einzudringen, das die Bewohner einfallsreich verbarrikadiert hatten. An jenem Tag zog ein randalierender Mob von morgens bis spätnachts durch Friedrichshain und richtete Zerstörungen an. 2.500 Polizisten konnten die Randale nicht stoppen.

Gleich nach der Räumung begann der Hauseigentümer mit der Sanierung. Dabei wollten sie es ihm „außerordentlich schwer“ machen, kündigten die Ex-Bewohner im Internet an. „So schnell wird es nicht ruhig werden um die Liebig 14“, drohten sie. Fortan flogen Farbe und Steine gegen die Fassade, neu eingebaute Fenster gingen zu Bruch. Im Sommer wurden Ziegel vom Dach geklaut, und 15 Quadratmeter lagen offen. Der Kiez um die „Liebig 14“, in dem sich einige weitere „alternative Wohnprojekte“ finden, ist für Polizisten, die woanders bei der Einbrecherjagd fehlen, ein Albtraum: Hier brennen die Autos. Hier fliegen nachts die Steine auf Streifenwagen. Hier erlebte die Polizei im Juli ein Desaster, als ihre versteckten Kameras entdeckt wurden, die sie wegen der vielen Delikte auf ein Dach gestellt hatte. Berlins oberster Datenschützer erklärte die Kameras dann für illegal.

Die „Liebig 14“ ist laut Szene „zum Symbol des Widerstands gegen steigende Mieten geworden“. Das sieht auch die Polizei so. Kurz vor dem einjährigen Jubiläum der Räumung macht der Kiez schon mal mobil: An Wänden, auf Plakaten und im Netz ist nachzulesen, dass es am 2. Februar vor dem Haus eine Mahnwache geben soll. Am Sonnabend danach dürfte der Kiez wieder zum Treff für Hausbesetzerfreunde und Polizisten werden, wenn man zur Demo aufläuft, die angemeldet wurde unter dem Motto: „Liebig 14 – Return of the Living Dead“, Rückkehr der lebenden Toten.