Den Vorteil der Lieferdienst der großen Ketten wie Rewe oder Edeka können nicht alle Leute in Anspruch nehmen.
Foto: imago images/ Sven Simon

BerlinEs ist zehn Jahre her, aber Bettina Weiß erinnert sich – gerade jetzt in der Corona-Zeit – noch sehr genau, an jene Tage, die sie quasi unter Quarantäne verbrachte. „Ich hatte mich 2009 auf Mallorca bei der Schweinegrippe-Pandemie angesteckt“, sagt die 48-Jährige. Anders als heute, wurden die Leute damals nicht offiziell unter Quarantäne gestellt, aber sie war so krank, dass sie tagelang die Wohnung nicht verlassen konnte. „Eine Freundin von mir hat mich mit Lebensmitteln versorgt“, sagt sie. Heute sei die Versorgungslage um einiges besser, weil es nun Lieferdienste gibt. Deshalb neigt sie nicht zu Hamsterkäufen.

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Furcht vor Verdienstausfall

„Ich finde es jetzt besonders wichtig, frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse zu essen und kaufe mehr als ich eigentlich brauche.“ Bettina Weiß ist nicht fest angestellt, sondern arbeitet selbstständig im Außendienst. „Deshalb verlasse ich das Haus nie ohne Handdesinfektionsmittel“, sagt sie. „Ich darf mich auf keinen Fall anstecken, denn in Quarantäne bekomme ich kein Geld.“

Die Rechtslage ist etwas anders. Allgemein bekannt ist, dass bei einer offiziellen Quarantäne die betroffenen Angestellten in der Regel vom Arbeitgeber weiter bezahlt werden. Die Firma kann sich das Geld hinterher von den Behörden erstatten lassen. Nach Angaben des Verbandes der Gründer und Selbstständigen können auch Freiberufler Geld bekommen. Im Gesetz zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten heißt es, dass sie den Verdienstausfall ersetzt erhalten. Die Höhe richtet sich nach dem Gewinn aus dem Steuerbescheid des Vorjahres.

Quelle: BZgA

Lieferdienste: Bezahlung nur bargeldlos

Den Vorteil der Lieferdienst der großen Ketten wie Rewe oder Edeka können aber nicht alle Leute in Anspruch nehmen – nicht nur, weil sie derzeit überlastet sind, sondern aus technischen Gründen. So sagte Kristina Schütz, die Sprecherin der Rewe Group: „Die Bezahlung erfolgt beim Rewe-Lieferservice grundsätzlich bargeldlos. Kunden können nur online per Kreditkarte, Lastschrift, PayPal oder Rechnung bezahlen.“

Davon wären besonders ältere Leute betroffen, die nie online einkaufen, keine PayPal-Zahlungszugang haben und es gewohnt sind, immer mit Bargeld zu bezahlen.

Insgesamt sieht es in den Supermärkte inzwischen deutlich leerer aus. Schleichend hatte sich dies bereits Anfang der vergangenen Woche gezeigt. Da gab es zum Beispiel in einigen Drogeriemärkten im Friedrichshain am Montag noch Desinfektionsmittel, am Dienstagmorgen herrschte in diesen Regalen bereits gähnende Leere. Flüssighandseife war dann am nächsten Tag ausverkauft.

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Wartezeiten von einigen Tagen möglich

Die einen loben eine vernünftige Bevorratung für den Fall einer Quarantäne, die anderen kritisieren es derzeit als Hamsterkäufe. Jedenfalls laufen die Geschäfte in den Lebensmitteln derzeit gut. Bei Rewe heißt es, dass sowohl beim Lieferservice als auch beim stationären Handel „eine deutlich erhöhte Nachfrage nach lang haltbaren Lebensmitteln, Nährmitteln, Konserven und Drogerieartikeln“ zu verzeichnen sei. „Es gibt aber keine Engpässe in der Warenversorgung“, sagte Konzernsprecherin Schütz. Doch die Lieferdienst haben bereits Probleme. „Die hohe Nachfrage kann bei den Lieferdiensten vereinzelt auch zu Wartezeiten von wenigen Tagen führen“, sagt sie. Denn die Zeitfenster für die Lieferungen seien pro Tag begrenzt.

Im Ernstfall dürfte es also schwierig werden, dass sich noch sehr viel mehr Berliner von Lieferdiensten versorgen lassen. Damit sich die Leute weiterhin in die Filialen trauen, hängen an den Ladentüren nun oft auch extra Aushänge. So steht an einem Discounter in Mitte: „Sehr geehrte Kunden, in unserer Filiale werden höchste Hygienestandards eingehalten.“ Dann wird aufgezählt, dass mehrmals am Tag die Griffe der Wagen gereinigt werden, aber auch der Tiefkühlregale oder der Griffe zu den Brötchen – und die „Waren-Trennen“ für das Kassenband.