Lifestyle-Blog in Berlin: iHeartBerlin wächst mit dem Berlin-Hype

Als ich 2007 mit iHeartBerlin anfing, hatte ich vom Bloggen gar keine Ahnung. Ich wusste, wie man Internetseiten baut, das hatte ich studiert und als fest angestellter Web Developer auch schon umgesetzt. Aber irgendwann dachte ich, dass ich gern meine eigene Website hätte. Zur Wahl standen Buchhaltungssysteme oder ein Blog. Ich bin froh, dass ich mich für das Blog entschieden habe, sonst hätte ich wohl ein anderes Leben geführt.

Damals wohnte ich noch in Friedrichshain, am Boxhagener Platz. Die Gegend blühte zu der Zeit total auf, jeden Tag konnte man etwas Neues entdecken. Und so schrieb ich die ersten Beiträge über schöne Orte in meiner Umgebung, zum Beispiel über den Cupcake-Shop bei mir im Haus, von dessen Kuchen ich jahrelang abhängig war. Ein redaktionelles Ziel gab es nicht, ich wollte einfach Leuten, die nach Berlin kamen, Tipps geben. Nach coolen Orten wird man ja als Berliner ohnehin ständig gefragt.

Erst schrieb ich für Freunde, dann für Freunde von Freunden. Das Blog verbreitete sich recht schnell, wie genau, habe ich nie genau verstanden, man wird halt weiterempfohlen, über Facebook geteilt. Durch die Beliebtheit der Stadt und dadurch, dass wir zweisprachig arbeiten, bekamen wir auch recht schnell ein internationales Publikum. Ich denke, wir sind mit dem Berlin-Hype mitgewachsen.

Meinen festen Job habe ich dann vier Jahre später gekündigt. Auch wenn ich das Blog nie als Business betrachtet oder erwartet habe, dass ich davon leben kann, haben sich durch iHeartBerlin so viele andere Aufträge und Jobs ergeben, dass ich die Festanstellung aufgeben konnte. Ich hatte so ein großes Netzwerk aus Künstlern, Ladenbesitzern und Designern aufgebaut, dass ich den Schritt wagen konnte. Klar, man verdient unregelmäßig, aber man gewöhnt sich daran, dass einen Monat kaum was reinkommt, und im nächsten hat man dann 4000 Euro.

Unser Lifestyle-Blog

Inzwischen veranstalte ich eben auch Events, Modenschauen und Ausstellungen zum Beispiel, wir machen eine eigene Web-Comedy-Show, und ich schreibe auch für andere Blogs und baue immer noch Internetseiten für Kunden. Das ist so abwechslungsreich, ich kann mir gar nichts Besseres vorstellen. Das Angestellten-Dasein fehlt mir nicht, nur dass ich mich um die Steuererklärung selbst kümmern muss, ist nicht besonders schön.

Bei iHeartBerlin sind wir jetzt zu dritt, außerdem arbeiten mehrere Gastautoren für uns. Wir verstehen uns als Lifestyle-Blog, schreiben über alles was junge Menschen interessiert: Mode, Kunst, Musik, Party, Reisen. Unsere Leser sind Anfang 20 bis Mitte 30. Auf Facebook haben wir 23.500 Follower und auf dem Blog 85.000 Views im Monat. Das ist nicht wenig, wenn man bedenkt, dass wir uns ja lokal auf Berlin beschränken. Wir bemühen uns, jeden Tag mindestens einen Artikel online zu stellen, manchmal sind es auch zwei. Meine Texte fallen eher kurz aus, weil ich schon so viel Zeit für die Fotos verwende.

Von den Themen her bewegen wir uns irgendwo zwischen Hipster und Mainstream. Die Events sollten einen Bezug zu Style und Innovation haben, nicht zu undergroundig sein, aber auch nicht groß. Wir schreiben nicht über die Komische Oper, sondern über die Sophiensaele, nicht über Michalsky, sondern über Esther Perbandt.

Ein Thema, das stets fantastische Klickzahlen bringt, ist immer noch das Berghain. Neulich hatten wir eine Geschichte über einen Fotografen, der Porträts von Leuten gemacht hat, die aus dem Club kommen. Das ist so eingeschlagen, dass uns der Server abgeraucht ist.

Anzeigen haben wir auf unserer Seite nicht, aber wir werden hin und wieder von Kunden mit einem Thema beauftragt, die dann für den Artikel bezahlen. Allein von diesen Advertorials könnten wir nicht leben, aber wir haben auch andere Aufträge und wollten auch nie diese Firmenattitüde haben, mit Anzeigenakquise und so. Ich bin eh nicht so der Business- oder Karrieretyp.

Ein bisschen eventmüde

Dadurch, dass ich so viele unterschiedliche Dinge mache, sieht bei mir keine Woche aus wie die andere. Am Blog arbeite ich aber jeden Tag. Manchmal eine halbe, manchmal mehrere Stunden. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer so ein bisschen. Ein richtiges Wochenende habe ich jedenfalls nicht, ich lese auch am Sonntag meine Mails.

Natürlich bin ich viel unterwegs, gehe auf Events und mache da Fotos. Ich bin auf Modenschauen, Partys, Ausstellungen, Dinnerevents, da füllt sich der Kalender ganz schnell. Es kommt vor, dass ich fast jeden Tag in der Woche unterwegs bin, weil wir so viele Einladungen bekommen. Aber nach sieben Jahren wird man auch mal ein bisschen eventmüde. Ich muss nicht mehr alles mitmachen, aus Angst etwas zu verpassen. Doch auf die Veranstaltungen im Berghain, die jenseits der Clubkultur stattfinden, freue ich mich immer noch sehr. Das ist einfach ein toller, und immer noch sehr progressiver Ort.

Notiert von Anne Vorbringer.