Berlin - Die Elektrifizierung des diesellastigen Taxigeschäfts ist in dieser Stadt ein schwieriger Prozess. Taxiunternehmer klagen über zu wenig taxitaugliche Fahrzeuge. Außerdem mangele es an Schnellladestationen. Nun aber prescht das Unternehmen Rocvin vor. Am Mittwoch stellte der Berliner Limousinenservice zehn verstromte Jaguar in Dienst, vollelektrische SUV der Premiumklasse. Die Elektrifizierung der Personenbeförderung beginnt also in schwarz statt taxibeige.

Das Unternehmen, das 2016 aus der Insolvenzmasse des einstigen Bundestag-Fahrdienstes herausgekauft wurde, empfiehlt sich in erster Linie Firmen als Chauffeurservice. 60 Limousinen umfasst die Flotte. Nun kommen die zehn Elektroautos hinzu, für die Rocvin nach eigenen Angaben rund eine Million Euro zahlt. Die Tiefgarage in der Firmenzentrale am Potsdamer Platz ist bereits entsprechend präpariert. 32 Ladepunkte gibt es dort. 

Keine echte Konkurrenz für die beige Flotte

Finanziert wurde dies alles durch die Beteiligungsgesellschaft Ceterum Holding, die zugleich das Mutterunternehmen von Rocvin ist. Und das ist erst der Anfang. In drei Jahren soll die gesamte Berliner Flotte des Chauffeurdienstes rein elektrisch fahren. 

Bei der Modernisierung des Berliner Taxigeschäfts bringt sich also ein finanzstarker Player in Stellung. Rocvin-Chef Thomas Mohnke sieht sich indes weder als Taxiunternehmer noch als Konkurrenz für die beige Flotte. „Wir agieren in einer anderen Preisklasse“, sagt er. Eine Fahrt etwa vom Hotel Adlon am Brandenburger Tor zum Flughafen Tegel koste 80 Euro. Zudem müsse eine Fahrt mindestens eine Stunde im Voraus gebucht werden. „95 Prozent der Fahrten sind langfristige Aufträge“, so Mohnke. 

Nur zwei Taxis fahren ausschließlich mit Strom

Auf einer anderen Flanke macht Mohnke den hiesigen Taxifahrern aber durchaus Konkurrenz. Denn das ebenfalls von ihm geführte Berliner Unternehmen Savedriver arbeitet für den umstrittenen Taxi-Herausforderer Uber X. Zwar gibt es für Uber Einschränkungen, aber Fahrten können dort per App und sofort geordert werden. Man verspricht günstige Preise. 50 Autos sich zurzeit für Safedriver unterwegs. „Alles Hybrid-Fahrzeuge von Toyota“, sagt der Chef, der die Komplett-Elektrifizierung bereits auch hier geplant hat. Im Dezember werden laut Mohnke die ersten zehn Nissan Leaf in Dienst gestellt, die dann für die neue Sparte „Uber Green“ fahren sollen.

Bei den gut 3200 Berliner Taxiunternehmen geht es dagegen langsamer. Von den insgesamt 8138 Taxis in der Stadt fahren gerade zwei ausschließlich mit Strom. 3000 haben einen Hybridantrieb, 500 fahren mit Gas, in rund 4600 nagelt ein Diesel. Wenngleich die Stadt Unternehmer bei der Anschaffung eines Elektroautos mit 4000 Euro hilft, bleiben die Berliner Droschkenkutscher zurückhaltend. Seit 1. Juli stellten Firmen bei der Investitionsbank Berlin (IBB) bis gestern insgesamt 402 Förderanträge für Elektroautos. Wie viele Anträge von Taxiunternehmen kamen, kann nicht genauer beziffert werden. Laut IBB sei der Anteil aber sehr gering.