Berlin - Ein Spatenstich ist nicht genug. In knapp vier Wochen wird der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) noch mal eine Schaufel in den sandigen Boden von Mitte stechen, um den Weiterbau der U-Bahn-Linie 5 zu feiern. Am 24. April um 11.30 Uhr ist es so weit, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) jetzt mit. Anders als beim ersten Festakt vor zwei Jahren soll es diesmal wirklich mit den Arbeiten losgehen. „Am 26. April wird damit begonnen, auf dem Marx-Engels-Forum eine 20 Meter tiefe Grube auszubaggern“, sagt Projektleiter Jörg Seegers. Das größte innerstädtische Verkehrsprojekt der nächsten Jahre geht in die Vollen. Es wird den Berlinern eine neue Ost-West-Verbindung von Hönow zum Hauptbahnhof sowie drei weitere U-Bahnhöfe bescheren – voraussichtlich 2019.

Bereits am 13. April 2010 hatten Wowereit und die BVG den U 5-Start gefeiert. Doch das war nicht viel mehr als medienwirksamer Aktionismus. Denn die Genehmigung für den 2,2 Kilometer langen Lückenschluss zwischen den Alexanderplatz und Brandenburger Tor lag damals noch gar nicht vor. Sie traf erst im Juli 2011 ein.

Neuer Spreehafen ist bald fertig

Auch ein paar andere Vorbereitungen waren noch zu treffen. Leitungen mussten verlegt, 54 Bäume Unter den Linden gefällt werden. Außerdem wurde damit begonnen, an der Rathausstraße ein Hafenbecken auszubaggern. Der neue Spreehafen für die Baulogistik, der Berlin viele Tausend Lkw-Fahrten ersparen wird, soll Ende April fertig sein.

Hafenbecken, Baugrube und die Feier mit Wowereit und der BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta: All dies konzentriert sich auf das Marx-Engels-Forum. In der heutigen Grünanlage schräg gegenüber vom Roten Rathaus entsteht der erste Schwerpunkt der Bauaktivitäten. „In der Grube, die dort ausgehoben wird, startet voraussichtlich im Mai oder April 2013 die Tunnelbohrmaschine“, sagt Seegers. Sie gräbt die beiden 6,50 Meter hohen Röhren und kleidet sie mit Betonteilen aus.

Unerwartete Zusatzkosten

Weiter westlich, an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße, wird im Sommer eine zweite große Baustelle abgezäunt. Dort heben Bagger die Grube aus, die den Umsteigebahnhof Unter den Linden (U 5/U 6) aufnehmen wird. Das sorgt für Lärm und Vibrationen, weshalb die Betreiber des Hotels Westin Grand, des Lindencorsos und des Rosmarin-Karrees vor dem Bundesverwaltungsgericht klagen – ohne aufschiebende Wirkung. Seeges: „Im Juni wird es in Leipzig eine mündliche Verhandlung geben.“

Auch Autofahrer und U-Bahn-Nutzer werden sich ärgern. Geplant ist, dass der Straßenverkehr Unter den Linden vom 13. Juli an eingeschränkt wird, so die BVG. Die Südfahrbahn ist dann nicht mehr nutzbar. Ebenfalls im Juli beginnt die Sperrung der U 6 zwischen Französische und Friedrichstraße. Der Bus 147 sorgt für den Ersatzverkehr.

433,2 Millionen Euro sind für den U 5-Lückenschluss eingeplant. Die BVG achtet darauf, dass es dabei bleibt. Allerdings schlagen zusätzliche Kosten für Brandschutz und Versicherungen zu Buche. Auch weitere archäologische Grabungen und Planungen sowie die Bauzeitverschiebung um ein Jahr kosten Geld. Da die BVG aber für den ersten Bauabschnitt einen günstigen Preis erzielt hat, lassen sich die erwarteten Kostenänderungen auf elf Millionen Euro reduzieren. Für Unvorhergesehenes ist im Budget 27 Millionen Euro zur Seite gelegt worden.