Das Kontaktverbot wegen der Ansteckungsgefahr empört unter anderem die Sympathisanten der Autonomen-Hochburg „Rigaer 94“ in Friedrichshain.
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BerlinDie linksradikale Szene sieht die Ausgangssperren und Kontaktverbote wegen des Coronaviruspandemie als Repressionsmaßnahmen der Regierung. Aufrufe mehren sich, diese Regeln zu unterlaufen.

In der vergangenen Woche zündeten Brandstifter in Prenzlauer Berg ein Auto eines Technologieunternehmens und einen Tag später das einer Hausverwaltung an. Vor einigen Tagen wurden zwei Lokale an der Leipziger Straße in Mitte und am Heidelberger Platz in Wilmersdorf beschädigt. An beiden Orten fanden in der Vergangenheit die sogenannten Dienstagsgespräche und weitere Veranstaltungen der AfD statt. Im Internet bekannte sich eine Gruppe namens „Bengala Rage“ zu den Taten. Zerstörerischen Besuch bekam auch ein Steakhaus in Neukölln, weil dort die AfD Vorstandssitzungen abhält. Fassade und Fenster des Lokals wurden stark beschädigt. Die linksextreme Wut bekamen in den vergangenen Tagen und Wochen auch Unternehmen wie Uber ab. Wände wurden mit Parolen besprüht, Leihfahrräder zerstört.

Derweil verbreiten linke Gruppen per Twitter Aufrufe, leere Ferienwohnungen zu besetzen. „Doch diese Aufrufe blieben bisher weitgehend ohne Resonanz“, sagt Polizeipräsidentin Barbara Slowik.

Das Kontaktverbot wegen der Ansteckungsgefahr empört unter anderem die Sympathisanten der Autonomen-Hochburg „Rigaer 94“ in Friedrichshain. „In dieser Atmosphäre werden die Regierenden als die schützende Hand wahrgenommen, die uns vorgibt, was zu tun sei“, heißt es auf einer der einschlägigen Internetseiten. „Unsere Antwort auf den Ausnahmezustand sollte kollektiv sein.“ Die Autoren kündigten an, die „Kadterschmiede“ weiter offen zu halten – eine illegale Kneipe, die im Erdgeschoss der „Rigaer 94“ betrieben wird. Am vorvergangenen Wochenende gab es dort eine Demonstration. Und am vergangenen Wochenende versammelten sich am Kottbusser Tor etwa 250 Demonstranten, um gegen die Corona-Verordnung des Senats zu protestieren. Die Kundgebung wurde von der Polizei aufgelöst. Denn nach dem Infektionsschutzgesetz sind auch Versammlungen verboten.