Ich bin Potsdamerin. Das hört man mir nicht an. Es gibt keinen Potsdam-Tonfall. Überhaupt hat Brandenburg keinen hervorstechenden Dialekt wie Schwaben oder Sachsen, als wollten sich die kommunikativ zurückhaltenden Brandenburger auch bei der Mundart nicht verausgaben. Vielleicht fiel auch niemandem ein, das Brauchtum einer Sprechweise zu pflegen, für die es erst seit der Wende ein zugehöriges Land gibt. Bevor „Brannenborch“ 1990 auf dem Territorium von drei DDR-Bezirken entstand, war die „Streusandbüchse“ alles mögliche gewesen, aber nie ein Land.

Wendungen wie „huckeduster“, „Flitzpiepe“, „Hau rinn!“ als freundlich gemeinter Gruß oder „Jenaupe!“ als begeisterte Zustimmung sind Ausnahmen. Ansonsten komme ich im Rest-Deutschland gut durch, ohne sofort mit einer Region identifiziert zu werden; selbst wenn es sich um die schärfste dialektale Prägung, diesen knackigen, bodenständigen Slang handelt, der sachlich trocken hingerotzt wird und zerstäubt wie ein Spuckefleck im Sand und sich durch Weglassen ganzer Konsonantengruppen am Ende eines Wortes auszeichnet, bevorzugt „ch“ wie in „weeßickni“ und „Lass do ma“.

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