Lithium aus Guben: Fabrik startet später und wird teurer

Das Unternehmen Rock Tech Lithium will in Brandenburg Akkumaterial für jährlich 500.000 Elektroautos herstellen. Nun sorgen Lieferengpässe für Probleme.

Akkuproduktion für Elektroautos. Hier ist Lithiumhydroxid ein wichtiges Grundmaterial.
Akkuproduktion für Elektroautos. Hier ist Lithiumhydroxid ein wichtiges Grundmaterial.AFP

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, als sich Dirk Harbecke endgültig für Guben entschied. Damals hatte der Chef des deutsch-kanadischen Unternehmens Rock Tech Lithium den Kaufvertrag für eine 120.000-Quadratmeter-Parzelle auf dem Gelände des früheren volkseigenen Chemiefaserwerks unterzeichnet. Wo einst Dederon gesponnen wurde, sollte bald ein wichtiger Rohstoff für die Elektromobilität hergestellt werden. Harbecke kündigte den Bau eines sogenannten Lithiumkonverters an. 160 Jobs wurden versprochen. 2024 sollte es losgehen. Doch jetzt gibt es erste Verzögerungen.

Die Zeitleiste müsse aufgrund von Lieferengpässen angepasst werden, heißt es bei dem Unternehmen. Daher werde mit dem Start der Produktion erst für das zweite Quartal 2025 gerechnet. „Wir müssen um ein halbes Jahr verschieben“, sagt Rock-Tech-Sprecher André Mandel. Dennoch will er nicht ausschließen, dass die Bauarbeiten auf dem Gelände noch in diesem Jahr beginnen. Eine vorzeitige Baugenehmigung sei beantragt, liege aber noch nicht vor. Allerdings müsse auch das Wetter mitspielen.

In Guben will das 1996 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Vancouver eine Anlage errichten, in der der Rohstoff Lithium in batteriefähiges Lithiumhydroxid umgewandelt wird. Es wird der erste Lithiumkonverter des Unternehmens in Europa sein. Vier weitere sollen folgen, wobei die Standorte noch nicht feststehen. In jedem Fall werde die Anlage in Guben nach Firmenangaben nicht die einzige in Deutschland bleiben, eine zweite sei geplant.

Für die brandenburgische Lithiumfabrik hat Rock Tech eine Jahreskapazität von 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid vorgesehen. Genug, um damit Batteriezellen für 500.000 Elektroautos herstellen zu können. Der Industriedienstleister Bilfinger aus Mannheim soll den Konverter errichten.

Mercedes hat bereits bestellt

Inzwischen zeichnen sich bei dem Vorhaben allerdings nicht nur Abweichungen vom Zeitplan ab. Die Anlage wird auch teurer. Hatte Rock Tech Lithium ursprünglich mit einer Investition von knapp 500 Millionen Euro gerechnet, werden nun 200 Millionen Euro mehr veranschlagt. Da der Lithiumpreis in den vergangenen Monaten aber um ein Vielfaches schneller gestiegen war, seien die höheren Kosten keine Gefahr für die Rentabilität der Anlage, heißt es.

Tatsächlich hat das Unternehmen bereits einen Großkunden unter Vertrag. Ab 2026 sollen jährlich bis zu 10.000 Tonnen Lithiumhydroxid an Mercedes-Benz geliefert werden. Das ist fast die Hälfte der geplanten Kapazität in Guben. Das dort zu verarbeitende Lithium will Rock Tech eigenen Angaben zufolge in einer eigenen Mine in Kanada gewinnen. Darüber hinaus wurde gerade erst ein Joint Venture mit dem Schweizer Rohstoffhandelsunternehmen Transamine gegründet, um die Versorgung sicherzustellen.