Berlin - Der Vertuschungsskandal um den Attentäter Anis Amri hat offenbar ein größeres Ausmaß als gedacht. „Es gibt Hinweise auf weitere Manipulationen“, sagte der Sprecher der Senatsinnenverwaltung, Martin Pallgen, am Sonntag. Am vergangenen Mittwoch hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) bereits Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt erstattet, weil Mitarbeiter des Landeskriminalamtes (LKA) offenbar Amris Rolle in der organisierten Drogenkriminalität herunterspielen wollten. Demnach hatten sie nicht nur Dokumente rückdatiert und Erkenntnisse gelöscht, die auf einen gewerbsmäßigen, bandenmäßigen Handel mit Drogen hinwiesen.

Drei Namen aus Amris Täter-Umfeld

Die LKA-Mitarbeiter, gegen die jetzt ermittelt wird, sollen auch zwei von drei Namen aus Amris Täter-Umfeld aus dem polizeilichen Informationssystem POLIKS gelöscht haben. Damit hatte es den Anschein, dass Amri nur noch mit einem Komplizen zu tun hatte und nicht mehr mit einer Bande. Letztendlich war in den Akten der Berliner Staatsanwaltschaft nur noch von kleinkriminellem Drogenhandel die Rede.

Die Erkenntnisse eines gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Drogenhandels dagegen hätten offenbar ausgereicht, um Amri in Untersuchungshaft zu nehmen. Damit wäre er laut Innensenator Geisel womöglich daran gehindert worden, am 19. Dezember mit einem Lkw auf dem Breitscheidplatz zwölf Menschen zu töten. Heraus kamen diese Manipulationen, weil jeder Beamte, der etwas im POLIKS eingibt, namentlich registriert wird – was eigentlich auch die beschuldigten Polizisten wissen mussten. An diesem Montag will Geisel in einer Sondersitzung des Innenausschusses des Abgeordnetenhauses weitere Details bekanntgeben.