Mit Kreuzen, Kerzen und einem weiß angestrichenen „Geisterrad“ haben am Montag rund 50 Menschen vor dem Amtsgericht Tiergarten eine Mahnwache abgehalten. Sie demonstrierten damit gegen ein ihrer Meinung nach zu mildes Urteil, das das Amtsgericht am Donnerstag vergangener Woche gegen einen LKW-Fahrer fällte. Dieser hatte im Februar 2014 einen Radfahrer überfahren. Der Radler wurde dabei schwer am Kopf verletzt und starb am nächsten Morgen an den Folgen des Unfalls.

Der Fahrer des Lasters hatte damals eine rote Ampel übersehen und den Radfahrer erfasst, der bei einer Grünphase gerade die Straße überqueren wollte. Wie ein Prozessbeobachter auf dem Blog „Rad-Spannerei“ schrieb, soll die Ampel laut einem Sachverständigen bereits seit mindestens vier Sekunden rot gewesen sein. Zudem sei der Täter wegen Fahrens ohne Führerschein bereits vorbestraft. Ein Gerichtssprecher konnte die Informationen des Blogs nicht bestätigen. Die Urteilsbegründung liege noch nicht schriftlich vor.

Unfallfahrer muss Führerschein nicht abgeben

Das Gericht verurteilte den Berufskraftfahrer in der vergangenen Woche wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 5250 Euro. Außerdem bekam er zwei Punkte in Flensburg. Den Führerschein muss der 57-Jährige jedoch nicht abgeben. Gerade die beiden letzten Punkte bringen viele Demonstranten auf. „Ich verstehe das nicht“, sagt Christian Storbeck, Mitorganisator der Mahnwache. „Wer einen Radfahrer totfährt, muss doch mindestens mit dem Führerscheinentzug rechnen oder sogar einem Berufsverbot.“ Die Geldstrafe hingegen spiele eine untergeordnete Rolle bei seinem Protest. Ähnlich sieht es Demonstrant Thomas Hebestreich. „Zwei Punkte, das ist das selbe, was ich bekomme, wenn ich als Radfahrer ohne Unfall über eine schon länger rote Ampel fahre.“ Für Heinrich Strößenreuther, Veranstalter der Mahnwache, geht es nicht nur um dieses eine Urteil. Er will, dass Richter und Staatsanwälte generell ein starkes Signal für den Schutz von Radfahrern setzen.

Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, sind in diesem Jahr bereits acht Radfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen. Im vergangenen Jahr waren es zehn. Die häufigste Ursache bei Unfällen mit Radfahrern, an denen Auto- oder LKW-Fahrer Schuld haben, ist das Fehlverhalten beim Abbiegen. Knapp 1600 Unfälle hat es 2014 deshalb gegeben. Das Überfahren einer Ampel bei Rot durch einen Auto- oder LKW-Fahrer führte dagegen nur in 53 Fällen zu einem Unfall.