Trauer um Constantin. Der Junge wurde an der Kreuzung Nauener Straße/Brunsbütteler Damm in Spandau überfahren.
Foto: Olaf Wagner

BerlinNiemand- wirklich niemand - verursacht freiwillig einen Verkehrsunfall. Denn jeder weiß, dass ein solcher selbst bei Tempo 30 tödlich enden kann. Niemand - wirklich niemand - sollte eigentlich in einem Rechtsstaat zur Schelte an den unabhängigen Richtern greifen. Das ist meist billiger Populismus. Doch das Urteil im Fall des siebenjährigen Constantin überrascht dann doch. Jedenfalls den juristischen Laien.

Die Fakten: Der Junge ist in Berlin mit dem Rad und mit seiner Mutter auf dem Weg zur Schule. Sie beide warten an einer roten Ampel, bis es Grün wird. Als es Grün wird, fährt der Junge los, wird von einem rechtsabbiegenden Lkw überrollt und getötet. Ein tragischer Fall. Ein Fall, wie er leider viel zu oft geschieht.

Schuldfrage ist eindeutig geklärt

Die Schuldfrage ist in diesem Fall eindeutig geklärt. Der Lkw-Fahrer ist Schuld. Der Richter stellt im Prozess unmissverständlich fest, dass der Tod des Siebenjährigen hätte verhindert werden können, wenn der Täter wenigsten einmal in den Seitenspiegel geschaut hätte. Der 61-Jährige wird verurteilt - zu einem halben Jahr Haft auf Bewährung und 500 Euro Geldstrafte. Das irritiert. 

Dieses Urteil irritiert vor allem wegen seiner scheinbaren Milde. Dabei ist es ein hartes Urteil. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club kommt nicht umhin, dieses Urteil sogar zu loben, weil endlich mal ein Täter zu einer Haftstrafe verurteilt wird - wenn auch nur auf Bewährung. Bislang wird die fahrlässige Tötung im Straßenverkehr oft mit mit Geldbußen unter 1000 Euro  bestraft.

Das irritiiert tatsächlich. Denn da scheint etwas nicht zu stimmen beim juristischen Blick auf das reale Leben: Da wurde kein rasender Rad-Rowdy überfahren. Ein Kind ist tot, die Schuldfrage ist klar, aber das Urteil passt ganz offensichtlich nicht.

In anderen Fällen hat ein Umdenken bereits begonnen

In anderen Fällen von schwerwiegenden Verkehrsdelikten hat in der Justiz bereits ein Umdenken begonnen. Nach einem illegalen Wettrennen, bei dem am Berliner Kurfürstendamm ein Mann getötet wurde, wurden die Täter wegen Mordes verurteilt.

Doch tote Kinder beim Rechtsabbiegen sind scheinbar noch immer eher ein Kavaliersdelikt. Diese Sicht auf die Welt verwundert. Denn es gibt Fälle in Berlin, da muss ein Täter für 100 Tage ins Gefängnis, weil er vier Mal schwarz mit der Bahn gefahren ist und sich weigert, die übliche Strafe zu zahlen.

Im Fall des Lkw-Fahrers wurde ein Mensch getötet. Der siebenjährige Constantin ist tot. Ein Urteil sollte neben dem wichtigen Gedanken der Resozialisierung immer auch eine klare Strafe sein - und in gewisser Weise auch eine abschreckende Wirkung für andere gedankenlose Menschen entfalten. 

Lkw-Fahrer hat scheinbar wenig gelernt

In diesem Fall aber wurde ein Mann auf Bewährung verureilt, der unmittelbar nach der Tat auch noch die Mutter beschimpft hat, weil er fand, dass der Junge nicht richtig aufgepasst hat. Es wurde ein Mann verurteilt, der offensichtlich wenig aus seiner Todesfahrt gelernt hat. Denn einen Monat, nachdem er den siebenjährigen Constantin fahrlässig getötet hat, wurde er ertappt, dass er eine rote Ampel ignoriert hat. 

In anderen Prozessen wird ein solches Verhalten als strafverschärfend gewertet. In diesem Fall scheint es keine wesentliche Rolle gespielt zu haben, dass ein Verkehrssünder ein Wiederholungstäter ist, der selbst nach einem wirklich schockierenden Vorfall ganz offensichtlich nicht dazu lernt. 

Wie gesagt: Es ist in Urteil, das irritiert.