Löcher im Dach, Kakerlaken im Haus: „Das Wasser tropfte durch die Decke“

Ein tragender Balken ist bereits durchgebrochen und der Himmel sichtbar – wie das Ehepaar Steffens mit Eimern gegen das Wasser ankämpft.

In Alexander Steffens Schlafzimmer bildet sich ein Wasserfleck.
In Alexander Steffens Schlafzimmer bildet sich ein Wasserfleck.Gerd Engelsmann

Tock. Tock. Tock. Als Tukummeq Steffens an diesem Freitagmorgen erwacht, hört sie dieses Geräusch. Stunden später, in denen es geregnet hat, legt Steffens den Kopf in den Nacken und lauscht, sie blickt auf einen großen gelblichen Fleck an der Schlafzimmerdecke. In seiner Mitte bröckelt die Farbe ab, die Reste liegen ordentlich aufgestapelt auf dem Teppich. Zu hören ist nun nichts mehr.

„Das liegt daran, dass die Eimer auf dem Dachboden voller sind“, sagt Steffens. „Dann hört man das Tropfen nicht mehr.“ Sie und ihr Mann Alexander Steffens machen sich Sorgen, dass die Eimer überlaufen könnten. Der Dachboden ist seit zwei bis drei Tagen abgesperrt, das habe er gestern bemerkt, sagt Steffens. Nun kann Steffens nichts mehr tun, er fühlt sich hilflos.

Die Hausverwaltung habe er selbstverständlich informiert, sogar die Bauaufsichtsbehörde und das Bezirksamt habe er eingeschaltet. Das Dach sei schon seit zwei Jahren kaputt, sagt er. Damals allerdings auf der anderen Seite, das Wasser floss von außen herab, durch seinen Boden in die Wohnung des Nachbarn unter ihm, die dann unter Wasser stand. Alexander Steffens zeigt auf die Holzdielen im Wohnzimmer, etwa in der Mitte des Raumes werden sie schmaler – „dort beginnen die neuen“, sagt er. Der Eigentümer habe damals allerdings nur die Reparatur einer Seite des Dachs veranlasst. Nun leckt es seit einigen Monaten auf der anderen Seite, sagt Steffens.

Ein mit Wasser getränkter Streichholzbalken

Die Wohnung direkt beim U-Bahnhof Karl-Marx-Straße ist schön geschnitten, Licht durchflutet das Wohnzimmer und scheint trotz grauem Wetter durch die Balkontür. Doch an den hohen Decken im Schlafzimmer entstehen immer mehr Risse in der Wandfarbe und auch in der Küche ist schon ein kleiner bräunlicher Fleck zu sehen. Ein Riss zieht sich vom Schreibtisch bis zur Deckenlampe, der sei „ganz neu“. Diesmal betreffe es nur diese Wohnung, beim Nachbarn nebenan sei nichts zu sehen.

Vor etwa drei Monaten hatte Steffens auf dem Dachboden einen „tragenden“ Balken entdeckt, der „wie ein Streichholz“ durchgeknickt war und die Feuerwehr alarmiert. Diese stützte den Balken notdürftig ab. Die Hausverwaltung reagiere nicht, Alexander Steffens habe deshalb das Bezirksamt verständigt. Dem Bezirksamt habe die Hausverwaltung mitgeteilt, dass die Reparatur des Dachs in Auftrag gegeben wurde, Steffens zitiert aus einer E-Mail des Bezirksamt: Die Hausverwaltung habe mitgeteilt, dass die Reparatur am Dach in Auftrag gegeben wurde. Allerdings gehe aus den Informationen nur die Auftragssumme hervor, aber nicht welche Arbeiten beauftragt sind. 

Drei Tage später teilte Alexander Steffens der Berliner Zeitung mit, dass Dachdecker das Loch im Dach und repariert haben. Sie versicherten Steffens, dass die Arbeiten beginnen, sobald das Wetter es zuließe und dann auch der provisorisch abgestützte Balken erneuert würde.

Die Feuerwehr rückte wegen diesem Balken an.
Die Feuerwehr rückte wegen diesem Balken an.Alexander Steffens

Löchriges Dach, Heizungsausfall und Kakerlaken

Am Freitag zeigte Steffens ein Video: Mehrere Rinnsale laufen durch das Dach in vier Eimer, schweres Atmen ist zu hören. Eine Hand versucht, die Eimer so zu positionieren, dass sie alles auffangen. So kämpfte das Paar nachts gegen das Wasser an, erzählt er. „Vor eineinhalb Wochen haben wir zweimal innerhalb von 24 Stunden die Eimer ausgeleert“, sagt Alexander Steffens. Auf einem Foto scheint Licht durch ein großes rechteckiges Loch. Nun kann Steffens nicht mehr sehen, was unter dem löchrigen Dach passiert. Auf dem nächsten Video tröpfelt Regenwasser durch die Schlafzimmerdecke. „Ich traue mich nicht mehr wegzufahren“, sagt Steffens. „Sonst steht hier womöglich alles unter Wasser.“

Das Dach sei nicht das einzige Problem, mit dem die Bewohner im Haus in letzter Zeit zu kämpfen hätten. Für Gesprächsstoff sorgte ein Kakerlaken-Befall im Haus. Der Kammerjäger war da, im ganzen Treppenhaus liegen Fallen auf dem Boden. Ende Januar sei die Heizung sechs Tage im ganzen Haus ausgefallen. „Wir hatten Minusgrade“, sagt Steffens. Für eine Nacht ist das Paar ins Hotel geflüchtet und hat drei weitere Nächte bei Freunden verbracht. Im Februar mussten sie zum Ausgleich keine Miete bezahlen. Trotzdem ärgert sich Steffens, dass die Hausverwaltung so spät reagiert hat. Seitdem funktioniere die Heizung in der Wohnung nur teilweise: Einer von zwei Heizkörpern im Wohnzimmer, im Schlafzimmer ebenfalls, im Bad gar nicht, nur in der Küche sei die Heizung voll funktionsfähig.

„Das alles kostet Kraft“, sagt Alexander Steffens. „Vor allem, weil das mit dem Dach schon so lange geht.“ Tukummeq Steffens nimmt eine Hand vor den Kopf, um zu symbolisieren, wie sich die Kommunikation mit der Hausverwaltung anfühlt – als würde sie gegen eine Wand rennen. Nun tut sich aber doch etwas, wie der Besuch der Dachdecker zeigt: „Scheint, dass die ganze Action unsererseits Wirkung gezeigt hat“, schreibt Steffens per SMS.