Berlin - Der Unmut scheint groß: Angestellte Lehrer an 70 Schulen beteiligten sich am Mittwoch an einem zweistündigen Warnstreik. Am Donnerstag wird laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an 50 weiteren Schulen der reguläre Unterricht teilweise ausfallen. Der Protest wird am zweiten Streiktag vor allem im Ostteil der Stadt zu spüren sein. Viele angestellte Lehrer werden in den ersten beiden Schulstunden nicht unterrichten. Eltern können ihre Kinder später zur Schule schicken. Alle Schulen bieten aber auch eine Notbetreuung an.

Mit dem Protest will die GEW erreichen, dass der Senat Tarifverhandlungen aufnimmt. Hauptforderung: Die Gehälter der angestellten Lehrer sollen an die der verbeamteten Lehrer angeglichen werden. Zudem soll es Arbeitsentlastung für ältere, aber auch für jüngere Lehrer geben.

An der Fläming-Grundschule in Friedenau reagierten die Eltern gelassen auf den Warnstreik in den ersten beiden Schulstunden. Vor dem Schultor protestierten die neun angestellten Lehrer mit Transparenten und Trommeln. Unterstützt wurden sie dabei von verbeamteten Kollegen, sogar von Eltern und Schülern.

Scheeres will Tricks bei Verbeamtung verhindern

Britta Fellbaum ist seit fünf Jahren als Lehrerin an der Fläming-Schule angestellt. Berlin verbeamtet seit 2004 nicht mehr. Dadurch wird die 36-jährige Mutter im Laufe ihres Berufslebens mindestens zwei Jahresgehälter weniger verdienen als Kollegen, die noch verbeamtet wurden. Zudem hat sie Nachteile bei Beförderung und im Krankheitsfall. „Ich habe mich bewusst für die Fläming-Schule entschieden“, sagt Britta Fellbaum. Die Schule hat sich sehr um die Integration behinderter Kinder verdient gemacht. „Mir geht es auch um die Wertschätzung unserer Arbeit“, sagt Fellbaum. Mit 3850 Euro brutto hat sie bereits jetzt das höchstmögliche Gehalt einer Berliner Grundschullehrerin erreicht. Die meisten Kollegen aus dem Referendariat seien längst in andere Bundesländer gewechselt. Dort werden sie verbeamtet und erhalten netto deutlich mehr Geld.

Seltsam aber ist, dass viele nach wenigen Jahren in Hamburg, Brandenburg oder Baden-Württemberg als Beamte nach Berlin zurückkehren dürfen, obwohl der SPD-geführte Senat die Verbeamtung von Lehrern ablehnt – gegen den Willen der CDU, wie Generalsekretär Kai Wegner am Mittwoch ausdrücklich betonte. Diese Lehrer bekommen dann sogar ihre hierzulande nicht üblichen Zulagen weiterbezahlt.

Dagegen aber will Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) nun vorgehen. „Ich möchte die Effekte der Drehtür-Verbeamtung ausschließen“, sagte sie nun. Nach Informationen der Berliner Zeitung plant die Verwaltung, dass Beamte nur nach einer Wartezeit von einigen Jahren nach Berlin zurückwechseln können. Zudem wolle man eine bundesweite Regelung erreichen, wonach Beamte aus anderen Bundesländern Zulagen nicht mehr mitnehmen dürfen, sagen Schulleiter. Für die laufenden zentralen Bewerberrunden gilt das noch nicht.

Die inzwischen 8000 angestellten Lehrer in Berlin dürfen streiken. Wenn aber die 20.000 verbeamteten Lehrer das tun, sei das ein „Verstoß gegen die beamtenrechtlichen Pflichten“, hieß es vorsorglich in einem Rundschreiben der Schulverwaltung. Schulleiter müssten solche Kollegen umgehend melden.

Die komplette Liste der bestreikten Schulen finden Sie hier.