Berlin - Noch sieht das Büro von Kirsten Schipkowski recht unbenutzt aus. Der Schreibtisch ist leer, ebenso die Regale an der Wand. Erst seit sechs Tagen ist der Raum im 6. Stock des Kreuzberger Rathauses Kirsten Schipkowskis Arbeitsplatz. Die 33-jährige Diplomingenieurin für Umweltschutztechnik ist die Klimaschutzbeauftragte von Friedrichshain-Kreuzberg. Der einzige grün dominierte Bezirk der Stadt hat das Amt neu geschaffen. Die Fachfrau aus Franken, die aus 121 Bewerbern ausgewählt wurde, soll die bisherigen Aktivitäten koordinieren und neue Projekte entwickeln.

„Das betrifft die Sanierung von Gebäuden, die Energie-Nutzung in der Verwaltung oder die Frage, wann die alten Diesel-Schleudern vom Grünflächenamt durch schadstoffarme Fahrzeuge ersetzt werden“, sagt Bau- und Umweltstadtrat Hans Panhoff (Grüne). In den Verwaltungen soll zudem der Papierverbrauch gesenkt und Mitarbeiter des Ordnungsamtes überzeugt werden, vom Auto auf Diensträder umzusteigen. Ziel sei es, sparsamer mit Ressourcen umzugehen, ohne dass die Lebensqualität leiden muss.

Lüftungsanlagen an Schulen

Kirsten Schipowski ist zwar die jüngste, aber nicht die erste Klimaschutzbeauftragte in Berlin. In Steglitz-Zehlendorf gibt es eine solche Stelle schon seit 2002, in Lichtenberg seit November vorigen Jahres. Marzahn-Hellersdorf und Charlottenburg-Wilmersdorf wollen sie noch in diesem Jahr schaffen. In den übrigen Bezirken befassen sich Energiebeauftragte zumindest mit den bezirkseigenen Gebäuden.

Die Bezirke entdecken den Klimaschutz. Weil die Regierungen bislang viel zu wenig täten, müsse man eben im Kleinen aktiv werden, heißt es in Kreuzberg. In Marzahn-Hellersdorf hofft man vor allem auf fiskalische Effekte: „Wir brauchen einen Experten, um zum Beispiel Abwasser-Wärme zum Heizen zu nutzen und damit den Bezirksetat zu entlasten“, sagt Immobilienstadtrat Stephan Richter (SPD).

In Steglitz-Zehlendorf ist man besonders stolz auf neue Standards, die man gesetzt habe: „Wir haben drei Schulen und ein Jugendfreizeitheim mit Lüftungsanlagen ausgestattet, etwas völlig Neues“, sagt der Klimaschutzbeauftragte Peter Schrage-Aden. Weil Fassaden nach der Sanierung nahezu dicht seien und man schlechte Luft oder gar Schimmel im Haus vermeiden wolle, setze man auf diese Lösung. Auch alte Holzfenster kommen im Südwest-Bezirk zu neuen Ehren. „Wenn man Holzkasten-Doppelfenster runderneuert und sie innen mit einer Thermoscheibe ausstattet, geht da viel weniger Wärme raus als bei neuen Fenstern.“ Im Verbund mit moderner Heizung und Dämmung könne so ein Viertel des Energieverbrauchs eines Gebäudes gespart werden.

Das Klima zu schützen , hat sich auch der Senat vorgenommen. Ein noch von Rot-Rot erarbeitetes Gesetz wurde zwar ausgesetzt, aber das Thema bleibt aktuell. Eine der ersten Entscheidungen der großen Koalition war die Bewerbung Berlins zum „Schaufenster Elektromobilität“. Es geht hauptsächlich um mehr Ladesäulen für Elektroautos, von denen es derzeit 110 in der Stadt gibt. Bis 2016 sollen es 800 sein.

Problem Finanzierung

Damit auch Bürger über ihren Verbrauch nachdenken, nehmen Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Lichtenberg am EU-Projekt Energie-Nachbarschaft teil. „Dabei wettet der Bürgermeister mit Anwohnern, dass diese es nicht schaffen, neun Prozent Energie zu sparen“, sagt Kirsten Schindler, Klimaschutzbeauftragte in Lichtenberg. 15 Mieter haben dort die Wette angenommen. Im März wird abgerechnet, die besten Sparer aus insgesamt 16 Ländern gewinnen eine Reise nach Brüssel.

Die Beauftragte treiben derweil ganz profane Probleme um: „Ich suche einen Sponsor für 350 Steckerleisten mit Schalter, mit denen im Rathaus der Stand-by-Betrieb der Elektrogeräte unterbunden werden kann“, sagt Schindler. Klimaschutz ist wichtig und gut, aber auch teuer. Deshalb gehört es auch zu den Aufgaben der Beauftragten, das Geld dafür zu besorgen – von Sponsoren oder aus Förderprogrammen.