Am Sonntag um 9 Uhr soll der Lokführerstreik enden. Es ist ein Termin, den nicht nur viele Fahrgäste herbeisehnen, sondern auch die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Wann immer die S-Bahn bestreikt wird, muss das Landesunternehmen den Nahverkehr fast allein schultern – und das belastet nicht nur Personal und Technik, sondern auch die Bilanz, wie BVG-Chefin Sigrid Nikutta der Berliner Zeitung mitteilte.

Wenn es darauf ankommt, sei auf das BVG-Personal Verlass. „Ich bin wieder einmal stolz auf unsere Teamleistung“, sagte die Vorstandsvorsitzende. „Zu Spitzenzeiten am Morgen hatten wir bis zu 60?Prozent mehr Fahrgäste als an normalen Werktagen. Das ist natürlich eine Herausforderung. Teilweise mussten Fahrgäste auf den nächsten Zug oder den nächsten Bus warten. Aber, und das ist wichtig, wir haben alle an ihr Ziel gebracht.“

Bis zu 45 Minuten Verspätung

Weil viele Berliner statt mit der S-Bahn mit dem Auto fuhren, waren die Straßen voll, berichtete die BVG-Chefin. „Durch Staus kam es zeitweise zu Verspätungen von bis zu 45?Minuten auf Buslinien und bis zu 20 Minuten bei der Straßenbahn.“ Vor allem an Engpässen wie der Baustelle auf der Warschauer Straße wurde es „richtig knifflig“, sagte sie.

Den Werkstattleuten machten Türstörungen zu schaffen. „Unser Appell an die Fahrgäste, die Türen nicht mit Gewalt aufzuhalten, hat zumindest etwas Wirkung gezeigt“, so Nikutta. „Im Vergleich zu den vorherigen Streiks sind die Schäden leicht zurückgegangen.“ Trotzdem sei jeder einzelne ärgerlich. Bei älteren U-Bahn-Baureihen ließen sich die Türen nicht einzeln ansteuern. Wenn eine Tür gestört ist, müsse das Fahrzeug aus Sicherheitsgründen aus dem Verkehr gezogen werden.

"Rund 300.000 Euro pro Streiktag"

Andere BVG-Mitarbeiter meldeten sich freiwillig, um mitzuhelfen. Nikutta: „Es haben sich zum Beispiel an jedem Streiktag Verkehrsmeister, Werkstattmitarbeiter und andere Kolleginnen und Kollegen mit den nötigen Berechtigungen auf den Fahrersitz gesetzt und mit dafür gesorgt, dass unsere Stadt mobil bleibt.“ Weitere BVGer sprangen ein, um auf Bahnhöfen und an Haltestellen Fahrgästen Auskünfte zu geben.

Wegen des Streiks sind der BVG hohe Zusatzkosten entstanden – nach ersten Rechnungen mehr als 1,5 Millionen Euro. „Die genauen Zahlen werden wir erst in der Rückschau beurteilen können. Nach einer ersten groben Schätzung gehen wir von Mehrkosten von rund 300.000 Euro pro Streiktag aus“, sagte die BVG-Chefin. „Eingerechnet sind dabei unter anderem der größere Fahrzeug- und Personaleinsatz, aber auch der größere Verschleiß und Reparaturaufwand.“