Berlin - Seit einem Jahr leitet Peter Hoeck Domig die Rennbahn Hoppegarten. Im September soll dort zum ersten Mal das Musikfestival Lollapalooza stattfinden. Die Veranstalter haben es von der Hauptstadt nach Hoppegarten verlegt. Doch jetzt beschweren sich Anwohner über das Festival, zu dem 160.000 Gäste erwartet werden.

Herr Hoeck Domig, bisher wirkten Sie sehr optimistisch im Hinblick auf das Lollapalooza-Festival 2017. Nun kann es aber auch passieren, dass diese Veranstaltung nicht genehmigt wird. Was ist schief gelaufen?

Ich weiß jetzt nicht, woher Sie diese Informationen haben…

… die zuständige Fachbereichsleiterin im Landkreis Märkisch-Oderland sprach davon…

Das Genehmigungsverfahren für Lollapalooza 2017 in Hoppegarten läuft momentan im grünen Bereich. Alle Unterlagen sind eingereicht und alles wird geprüft. Ich wüsste nicht, was jetzt noch schief laufen sollte.

Sie gehen davon aus, dass Lollapalooza wie geplant am 9. und 10. September auf der Rennbahn Hoppegarten stattfinden wird?

Ja.

Bisher gab es offiziell keine kritischen Stimmen gegen das Musikfestival. Im Gegenteil: Alle waren angetan von der Unterstützung der Gemeinde Hoppegarten. Nun haben Anwohner ein Aktionsbündnis gegen das Festival gegründet. Sie fürchten erheblichen Lärm, viel Müll, ein Verkehrschaos, alkoholisierte Besucher. Sie haben Sorge um das Grün der Rennbahn. Können Sie diese Sorgen verstehen?

Wir kriegen nach wie vor sehr viele positiven Rückmeldungen auf das Festival. Tausende begeisterte Bewohner aus Neuenhagen und Hoppegarten werden das Festival besuchen. Die Veranstalter informieren jetzt die betroffenen Anwohner, sie gehen von Tür zu Tür und reden mit den Leuten. Nichtsdestotrotz wird so ein Festival nicht ganz konfliktfrei ablaufen, da gibt es zu viele unterschiedlichen Interessen. Unser Ziel ist, alle offenen Fragen so gut es geht zu beantworten. Dafür stehen die Veranstaltern von Lollapalooza mit den Behörden und uns in engem Austausch.

Kennen Sie das Festival?

Wir haben uns Lollapalooza im vergangenen Jahr im Treptower Park angeschaut. Viele Sorgen, die die Leute jetzt haben, sind unberechtigt. Lollapalooza ist extrem gut organisiert, was Verkehrsplanung, Sicherheit und Müll angeht. Ich war noch nie auf einem Festival, auf dem alles so sauber bleibt. Lollapalooza ist ein Familienfest, wir rechnen mit etwa 5000 Kindern. Das beantwortet doch viele Fragen von allein.

Warum braucht die Rennbahn so ein großes Musikfestival?

Wir streben 10 bis 15 Renntage im Jahr an. Doch das reicht nicht. Wir haben laufende Kosten für die denkmalgeschützte Anlage in Höhe von 500.000 Euro. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es notwendig, weitere Veranstaltungen zu organisieren. Das kann eine Haus-und-Garten-Messe sein, eine Hundeausstellung, ein Weihnachtsmarkt oder Musikveranstaltungen wie der Schlagerhammer und Lollapalooza. Es gibt keine Rennbahn in Europa, die ohne Zusatzveranstaltungen auskommt, um ihre Anlagen zu erhalten.

Sind Sie überrascht, dass Anwohner jetzt protestieren?

Ein wenig schon. Wir hatten damals mit diesen Fragen gerechnet, als bekanntgeworden war, dass Lollapalooza nach Hoppegarten kommt. Wir hatten einen Telefondienst eingerichtet. Wir haben die Fragen, die jetzt kommen, viel früher erwartet.

Bekommen Sie den Protest persönlich zu spüren?

Ich freue mich über jeden, der mich direkt anspricht. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen direkt an uns oder an die Leute vom Lollapalooza wenden und weniger den Weg über die Medien und anonym über das Internet wählt. Wer mich konkret anspricht, dem kann ich auch konkret was sagen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, mit dem Aktionsbündnis eine einvernehmliche Lösung zu finden?

Am 16. August wird es bei uns eine Info-Veranstaltung geben. Dort stellen wir das Konzept vor. Im Vorfeld war das leider nicht möglich, weil alle Details noch in Abstimmung mit den zuständigen Behörden waren. Wir werden den Anwohnern die genaue Verkehrsführung und die Parkplatzsituation erklären. Wir haben extra 20 Hektar Parkfläche außerhalb von Hoppegarten geschaffen, um den Autoverkehr von der Gemeinde fernzuhalten.

Und was sagen Sie den Anwohnern, die sich gegen laute Musik wehren?

Dass es unmöglich sein wird, beim Lollapalooza ein leises Konzert zu veranstalten.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft der Rennbahn?

Ab Herbst wird es in der dann fertig restaurierten zweiten Tribüne einen Veranstaltungsraum mit 600 Quadratmetern geben für Ausstellungen, Firmenfeiern und Präsentationen. Die Anlage soll auch für Menschen interessant sein, die noch nichts mit dem Rennsport zu tun haben. Natürlich wollen wir den Bekanntheitsgrad der Anlage erhöhen und neue Zielgruppen finden.

Nun ist die Anlage nicht nur denkmalgeschützt, sie liegt auch in einem Landschaftsschutzgebiet. Die Auflagen sind hoch, die Ämter streng. Welche Einschränkungen gibt es?

Wir müssen einen Forderungskatalog erfüllen, um seltene Pflanzen und Tiere, wie etwa die Feldlerche, zu schützen. Alle Maßnahmen dokumentieren wir in den Protokollen sehr genau.

Was fasziniert Sie eigentlich so sehr am Pferdesport?

Ich war schon immer sehr beeindruckt von diesem historischen Ensemble in Verbindung mit dem Rennsport. Es fasziniert mich nach wie vor, wenn so ein Feld von acht oder zehn Pferden an einem vorbei galoppiert. Ein Mensch, ein Tier und nicht mehr. Da geht mein Herz auf! Ich sehe, wie sich die Gäste beim Betreten des Geländes verändern. Sie sind sofort entschleunigt und verbringen bei uns einen schönen Renntag.

Braucht man für die Rennen spezielles Wissen über Pferde und Reiter?

Wir bieten eine Wettschule für Anfänger, da lernen unerfahrene Besucher die ersten Schritte über Pferde, Reiter und das Wettprozedere ...

.. um auf das richtige Pferd zu setzen. Wetten Sie auch?

Meine ersten Wettversuche scheiterten kläglich. Ich überlasse das Wetten meiner Frau. Sie gewinnt häufiger als ich.