Berlin - Stellen Sie sich vor, Sie könnten ein Wochenende im Hotel verbringen. Kostenlos, mit Kind, Kegel und Haustier. Ein solches Angebot fanden mehrere hundert Anwohner der Straße Am Treptower Park 16-21 am Dienstag in ihren Briefkästen. Absender des Schreibens ist der Veranstalter des Lollapalooza-Festivals, das am 10. und 11. September im Treptower Park stattfinden soll. Also direkt gegenüber jenen Häusern, deren Bewohner seit Wochen gegen das Rock-Spektakel protestieren.

Die Kosten übernimmt der Veranstalter

Um ihnen unvermeidliche Lärmbelästigungen und zu erwartende Verkehrsprobleme zu ersparen, werden sie nun für drei Nächte ins Hotel eingeladen. Konkret in ein Vier-Sterne-Haus nach Neukölln, wo es große Familienzimmer gibt und auch Haustiere willkommen sind. Man kann sich auch selbst ein Hotel suchen. Die Kosten – Einzelzimmer 82 Euro, Doppelzimmer 92 Euro pro Nacht inklusive Frühstück, Haustier und Parkplatz – werden übernommen. Und obwohl der September in Berlin zu den Haupt-Reisemonaten zählt, finden sich noch ausreichend Hotelzimmer in der Preiskategorie. Vor allem in Außenbezirken, auch am Müggelsee und an der Dahme sowie im Umland.

Es ist ungewiss, wie viele der Betroffenen das Angebot annehmen werden. Vielleicht kommt der Befriedungsversuch auch zu spät.

Denn die meisten der Protestler sind nicht gegen Lollapalooza. Sie halten nur das Gartendenkmal Treptower Park für den ungeeigneten Ort.

Der Treptower Park als geeigneter Ort für ein Festival?

Sie fürchten, dass die Festivalgäste, deren Zahl vom Veranstalter aus Wirtschaftlichkeits-Gründen von 45.000 auf 70.000 pro Tag heraufgesetzt wurde, vieles zertrampeln, was gerade für 13 Millionen Euro saniert wird. Und sie halten es für respekt- und würdelos, dass neben dem sowjetischen Ehrenmal, das auch Ruhestätte für mehr als 7000 Soldaten ist, gerockt wird. Eigentlich müsste sich der Senat an den Hotelkosten beteiligen. Denn er will Lollapalooza unbedingt und drängt den Bezirk zur Genehmigung.

Die Hürden dafür sind aber so hoch, dass es wohl leichter wäre,   ausnahmsweise das – sakrosankte – Tempelhofer Feld zu nutzen.