Berlin - Das Land Berlin hat bereits hohe Summen an die Veranstalter von Messen und  Kongressen  bezahlt, die im Jahr 2016 und 2017  auf dem Gelände des früheren Flughafens Tempelhof stattfinden sollten und vertraglich zugesichert waren.

In den einzelnen Fällen soll es sich um  Schadenersatzforderungen von mehreren hunderttausend  bis  einer Million Euro handeln. Insgesamt ist die Rede von fünf Millionen Euro, die verlangt  werden.  Ein Teil der erhobenen Forderungen ist beglichen, über andere Summen wird noch intern verhandelt.

Ende 2015 zogen Flüchtlinge in die Hangars

Die Hangars von Tempelhof, große, leere Hallen mit  Heizung und Dach, waren für die Berliner Behörden Ende des Jahres 2015 der einzige Ausweg,  spontan die Tausenden Flüchtlinge unterzubringen, die damals täglich in der Stadt ankamen. Deswegen mussten vertraglich zugesicherte Veranstaltungen in den Hallen und auf dem Vorfeld an andere Orte  verlegt werden.

 Für die  entstandenen Kosten, etwa  wegen einer erneuten und kurzfristigen Planung an einem anderen Veranstaltungsort und wegen entgangener Einnahmen, machen die Veranstalter die Tempelhof Projekt GmbH verantwortlich, die als hundertprozentiges Tochterunternehmen des Landes Berlin für die Vermarktung des Flughafengeländes Tempelhof zuständig ist.

Zu den Veranstaltern, die damals weichen mussten, gehören auch die Organisatoren des Musikfestivals Lollapalooza. Tommy Nick, Sprecher des Lollapalooza Berlin, bestätigte dieser Zeitung am Dienstag die erhobenen Schadenersatzansprüche, etwa wegen höherer Produktionskosten.  „Erst kürzlich“ habe man die Ansprüche geltend gemacht.  

Messen wurden verlegt

Lollapalooza Berlin musste 2016 in den Treptower Park ziehen, wo es viel Ärger mit den Anwohnern gab. Wie viel Geld das Lollapalooza  vom Land Berlin fordert, sagt niemand. Der Senat prüfe derzeit  „die Rechtmäßigkeit der Forderungen“, sagte die zuständige Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Katrin Dietl, der Berliner Zeitung.

Wegen der belegten Hallen im Hangar musste auch der Berliner Sportveranstalter SCC Events für die Halbmarathonmesse Berlin Vital  Frühjahr mit 110 Ausstellern und die  größere Messe Berlin Vital Herbst mit 215 Ausstellern „in kürzester Zeit“, wie es damals hieß,   einen neuen Ort suchen und fand ihn in der Station Berlin, das sind Industriehallen des früheren Dresdner Bahnhofs am Gleisdreieck.

Das Land Berlin sieht sich in der Pflicht, weil  es den abgeschlossenen Vertrag für Tempelhof nicht erfüllt hat. Derzeit werde die Schadenssumme beziffert, die geltend gemacht werden könne, sagte Sprecherin Dietl.

Umzug ans Gleisdreieck

Andere Fälle sind jetzt geklärt. So haben sich die  Organisatoren des Deutschen Pflegetages mit der Tempelhof Projekt GmbH auf eine Vergleichssumme geeinigt. Ab dem Jahr 2015 sollte die dreitägige Veranstaltung mit mehr als 3 000 Spitzenvertretern aus Pflege, Politik und Wirtschaft in den denkmalgeschützten Hallen des Flughafens stattfinden. Langfristig wolle man sich an diesen Veranstaltungsort binden, verkündete der Senat damals. Doch daraus wurde nichts, die Organisatoren des Deutschen Pflegetages mussten umplanen, und auch sie zogen in die Station Berlin am Gleisdreieck.

Ohne Gerichtsstreit

Gütlich geeinigt hat sich Berlin auch mit der Connecticum, einer großen Jobbörse für Studierende, die 2016 in die Arena nach Treptow ausweichen musste. Berlin hat sich auch in diesem Fall geeinigt.  „Die Summe ist vollständig beglichen,  der Fall ist abgeschlossen“, sagt Sprecherin Dietl.  Bisher sei es in keinem Fall zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung gekommen, alle Forderungen wurden auf dem Vergleichsweg ausgehandelt.