Die Anwohner am Treptower Park hatten lange auf diesen Abend gewartet. Veranstalter, Bezirk und diverse Behörden wollten am Donnerstagabend Antworten geben auf die Fragen der Bürger zum Thema Lollapalooza. Das Rockfestival soll am 10. und 11. September im Treptower Park stattfinden. Seit Wochen protestiert dagegen eine Bürgerinitiative.

Im zweiten Stock des Treptower Rathaus standen dann die Verantwortlichen für die Festivalplanung den etwa 200 Bürgern, die zuvor vor dem Rathaus demonstriert hatten, Rede und Antwort. Zunächst ergriff der Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer (SPD) das Wort. Es sei ein unüblicher Vorgang, bereits in einem laufenden Antragsverfahrungen für eine Veranstaltungsgenehmigung die Bürger zu informieren. Man habe aber die Bedenken zur Kenntnis genommen und wolle über den Stand des Verfahrens informieren. „Die Entscheidung steht noch an“, betonte er. Noch gebe es keine Genehmigung für die Veranstaltung des Festivals.

Mahnmal soll geschützt werden

Der verantwortlichen Festivalleiterin Fruzsina Szép blieb dann die undankbare Aufgabe, einem äußerst abweisenden Publikum ihre Festivalpläne zu erklären. Mit dabei hatten sie Vertreter der Senatskanzlei, der Polizei und mehrerer weiterer Behörden, die für die Genehmigung und Durchführung des Events verantwortlich sind. Zwölf Personen teilten sich die Bühne.

Nach und nach trugen die Anwohner ihre Einwände gegen das Festival vor. Eine Anwohnerin bezeichnete es als „pietätlos“, ein Rockfestival unmittelbar am sowjetischen Ehrenmahnmal auszurichten, wo Tausende gefallene Kämpfer ruhten. In der Tat grenzt das geplante Eventgelände fast unmittelbar an das Monument. Festivalleiterin Széb entgegnete, man werde das Mahnmal mit Zäunen und Platten schützen. Ein Polizeisprecher ergänzte, man würde alles dafür tun, „dass die Würde des Objekts gesichert bleibt“. Dennoch beteuerten die Veranstalter, das Denkmal werde auch während der Veranstaltung zugänglich sein.

Um die Lärmbelästigung für die unmittelbaren Anwohner genau zu ermitteln, hatten die Veranstalter bereits eine Messung in Auftrag gegeben. Der ebenfalls anwesende Gutachter sprach von Lärmpegeln bis zu 80 Dezibel für die Anwohner. Das entspricht laut Bundesumweltministerium etwa Straßenlärm bei starkem Verkehr.

Veranstalterin Széb räumte ein, dass der Treptower Park kein optimaler Standort für ein Festival sei und versprach, es werde nur dieses eine Mal dort stattfinden. Sie präsentierte eine Liste von Standorten, die man in Betracht gezogen, aber aus verschiedenen Gründen dann wieder verworfen habe. Darunter befand sich das BER-Gelände, die Straße des 17. Juni und die Karl-Marx-Allee. Auch das Olympiastadion habe man in Erwägung gezogen, dort finde aber zum fraglichen Zeitpunkt eine andere Veranstaltung statt.

Die Ausführungen der Referenten wurden mehrfach vom überwiegend älteren Publikum mit höhnischem Lachen, Klatschen und Zwischenrufen begleitet. Wirklich überzeugt schien niemand von den Argumenten der Festival-Befürworter. Eine Sprecherin der Bürgerinitiative Treptower Park, Ilona Rothin – die der Veranstaltung fern blieb – kündigte schriftlich an, dass einzelne Anwohner und Institutionen versuchen würden, das Festival mit Klagen zu verhindern. „Dafür haben wir schon Spenden gesammelt.“

Ein US-Import

Das Lollapalooza-Festival stammt ursprünglich aus den USA und fand zum ersten Mal 1991 statt. Zu Anfang tourte das Festival dort durch mehrere Orte, seit 2005 wird es jedes Jahr in Chicago ausgerichtet. Im vergangenen Jahr fand das Festival zum ersten Mal in Deutschland auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Das Flugfeld ist in diesem Jahr aber nicht nutzbar, denn dort wohnen jetzt Flüchtlinge. Bis zu 50.000 Besucher kamen zu dem zweitägigen Konzert im vergangenen September.