Ein Rockfestival mit Größen wie Radiohead, Kings of Leon oder Paul Kalkbrenner und mit 45.000 Besuchern sorgt für internationale Proteste. Zehn Botschafter ehemaliger Sowjetrepubliken wollen das Musikfestival Lollapalooza am 10. und 11. September im Treptower Park verhindern.

In einem Schreiben, über das der Berliner Kurier berichtet hatte, argumentieren sie mit der unmittelbaren Nähe des Events zum sowjetischen Ehrenmal. Dieses ist auch Begräbnisstätte für 7500 Sowjetsoldaten. Eine Veranstaltung dort in solcher Dimension sei unangemessen, inakzeptabel und störe Ehre und Andenken der Gefallenen.

Der Brief ist an den Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick Oliver Igel, an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (beide SPD) und an Innensenator Frank Henkel (CDU) gerichtet. Von den 15 Ex-Sowjetrepubliken fehlen fünf: die Ukraine, Georgien und die drei baltischen Republiken haben nicht unterschrieben. Der Protest ist ein einmaliger Vorgang. Die Berliner Politiker werden gebeten, ihre Autorität und den politischen Einfluss einzusetzen und einen besser geeigneten Ort zu finden.

Der Senat in der Zwickmühle

Lollapalooza ist eines der populärsten Festivals in den USA, im Vorjahr fand es erstmalig in Europa statt – in Berlin, auf dem Vorfeld und in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Der Vertrag zwischen dem Veranstalter und der Tempelhof Projekt GmbH läuft bis 2017. Doch in den Hangars sind inzwischen Flüchtlinge untergebracht, ein Festival unmöglich. Der Senat ist in der Zwickmühle: Gibt es keinen Ausweichort, muss Schadensersatz gezahlt werden. Dass der Veranstalter sich den Treptower Park ausgesucht hat, sorgt in den Verwaltungen nicht für Beifall. Denn der Park ist ein Gartendenkmal, das gerade für gut 13 Millionen Euro saniert wird. Anwohner sammelten an die 5000 Protest-Unterschriften und haben wohl auch die Botschafter um Hilfe gebeten.

Noch gibt es keinen Vertrag. Anfang Mai wollen Bezirk und Veranstalter das Lollapalooza-Konzept vorstellen. Bürgermeister Igel sagt, es gebe teure Genehmigungsauflagen – für den Schutz der Natur und des Ehrenmals. Die Sorgen der Botschafter hält er für berechtigt, aber: „Es war von Anfang an klar, dass das Ehrenmal nicht zum Veranstaltungsort gehört, sondern besonders geschützt wird.“ Auch im Senat heißt es, man nehme alle Sorgen ernst. Es gab bereits Gespräche mit Vertretern der Botschaften. Bei einem weiteren Treffen soll das Sicherheitskonzept im Detail besprochen werden. Auch das Auswärtige Amt ist eingeschaltet. (mit fr.)