Man muss derzeit kein Wahrsager sein, um Wetten darauf abzuschließen, dass die Karriere des jungen Schauspielers Louis Hofmann in den kommenden Monaten weiter steil nach oben gehen wird. Viele Zeichen deuten darauf hin. So gewann der aus Köln stammende Wahl-Berliner beim Filmfestival in Tokio die Auszeichnung als Bester Darsteller. Und beim Dänischen Filmpreis erhielt er die Trophäe in der Kategorie „Bester Darsteller in einer Nebenrolle“, wobei der Begriff Nebenrolle hier sehr gedehnt wurde. Im gerade in den deutschen Kinos gestarteten Drama „Unter dem Sand“ spielte Hofmann nämlich die jugendliche Hauptrolle.

Einem großen Publikum wurde Louis Hofmann 2011 durch seine Darstellung des Titelhelden im Kinofilm „Tom Sawyer“ von Regisseurin Hermine Huntgeburth bekannt. „Die Dreharbeiten in Rumänien und Deutschland waren für mich ein großes Abenteuer. Ich war zum ersten Mal so lange von der Schule weg.“ Sein Herangehen an diese Rolle umschreibt Hofmann mit „kindlich spielerisch“. Die Regisseurin kannte er schon von seiner ersten Filmrolle in „Der verlorene Vater“, um die ihn ein Missgeschick kurz vor Drehstart fast noch gebracht hätte: „20 Minuten vor der Abfahrt habe ich mir einen Zeh gebrochen. Damit stand auf der Kippe, ob ich das überhaupt machen kann. Hermine Huntgeburth hat gesagt: „Wir probieren das.“ Zwei Wochen später habe ich mir dann auch noch den Fuß verstaucht.“

Es gibt keinen Plan B

Hofmann weiß noch genau, wann er zum ersten Mal das Gefühl hatte, nicht mehr zu den niedlichen kleinen Darstellerkindern, sondern zu den erwachsenen Schauspielern zu gehören. Es war bei dem Drama über Heimkinder in der Bundesrepublik der 60er Jahre: „Der Dreh zu ,Freistatt’ fühlte sich für mich nach erwachsenem Spiel an. Und dann kam ja auch die herrliche Bestätigung in Form des Bayerischen Filmpreises dafür.“

2015 hat Hofmann in Köln Abitur gemacht. Anschließend zog er nach Berlin, lebt seit November mit einem Freund in einer WG in Prenzlauer Berg: „Mir war egal, wo ich wohne, Hauptsache in Berlin.“ Er hat damit vorgesorgt. Schließlich gibt es im Leben eines Schauspielers immer wieder Wochen oder sogar Monate, in denen er auf die nächste Rolle wartet: „Deswegen bin ich nach Berlin gegangen. Weil ich hier eine aufregende Stadt habe, wenn ich nicht arbeite.“ Die Frage nach seinem „Plan B“ beantwortet Hofmann mit dem Ausruf: „Wenn es einen gäbe!“ Es bleibt ihm also nichts anderes: „Im Moment verfolge ich Plan A. Läuft ja auch ganz gut.“

Den Preis des Internationalen Filmfestivals von Tokio konnte Hofmann sich nicht persönlich abholen. Der dänische Botschafter nahm ihn für Hofmann und seinen ebenfalls ausgezeichneten Kollegen Roland Møller entgegen. Dabei machte der Botschafter Hofmann vor lauter Begeisterung für dessen Film „Unter dem Sand“, in dem es um minderjährige Deutsche geht, die nach dem Zweiten Weltkrieg die deutschen Minen an Dänemarks Westküste räumen mussten, in einer kleinen Ansprache zum Dänen. Monate später traf die Trophäe, ein gläserner Zylinder, per Post bei Hofmann ein. „Unter dem Sand“ behandelt ein Thema, das auch vielen Dänen unbekannt war. Hofmann erinnert sich an dramatische Momente während der Dreharbeiten: „In der ersten Woche haben wir am Strand eine echte Mine gefunden, die erst mal beseitigt werden musste, bevor wir weitermachen konnten.“

Kurze Begegnung mit Emma Thompson

Zur Rollenauswahl eines Schauspielers gehört auch immer eine Abwägung des Verhältnisses von Aufwand und Nutzen. Oft steht es um dieses Verhältnis schlecht, wenn es nur um einen einzigen Drehtag geht. Wie im Fall von Louis Hofmanns Rolle in der Fallada-Romanverfilmung „Alone in Berlin - Jeder stirbt für sich allein“, in der er den Sohn des im Mittelpunkt stehenden Ehepaars spielt. Ganz am Anfang des Films stirbt dieser Sohn, was seine Eltern in den Widerstand gegen Hitler treibt. Eine kurze, aber für die Handlung wichtige Rolle.

Laut Drehplan wäre Hofmann Oscarpreisträgerin Emma Thompson, die seine Filmmutter spielte, nie begegnet. Zu seiner Überraschung stand sie an seinem Drehtag plötzlich vor ihm. Man gab einander die Hand. Dann umarmte der Filmstar den jungen Mann: „Während sie mich im Arm hielt, gefühlt eine wunderbare Ewigkeit, sprach sie davon, dass sie gelesen hatte, dass sich die letzten Gedanken junger Soldaten kurz vor dem Tod um die Mutter drehen.“ Sie wollte ihm mit dieser Umarmung in seiner Rolle helfen: „Nimm das hier und nimm es gleich mit in die Szene.“

Auch wenn der 18-Jährige das Monate später erzählt, vermittelt sich noch das Bewegende des Moments. Hofmann ist sich sicher: „Davon werde ich noch in zehn Jahren schwärmen.“