Love-Scamming: Betrug mit der Liebe – So werden Frauen im Internet abgezockt

Die 64-jährige Finanzbuchhalterin Eva L. (Name geändert) glaubte, endlich ihre große Liebe gefunden zu haben. Auf der Internet-Plattform single.de hatte sie im Februar vergangenen Jahres eine Kontaktanzeige aufgegeben und schnell eine Antwort bekommen. Von Jeff aus Nottingham. Der Engländer schien wirklich interessiert.

Er schrieb alles über sich, von seiner Arbeit in einer Immobilienfirma, von seiner Tochter. Er schickte Eva L. sogar Fotos von sich, seiner angeblichen Tochter und seinen Eltern. Selbst eine Reisepasskopie sandte er mit. Irgendwann telefonierten sie fast täglich. Jeff sprach von einem gemeinsamen Leben in Deutschland, von einem Haus, das sie schon einmal suchen sollte. Er gab vor, einen 4,5-Millionen-Euro-Fonds zu besitzen. Treffen mit Eva L. sagte er regelmäßig unter einem Vorwand ab. Dann kamen seine Geldforderungen. Und Eva L., die Jeff noch nie leibhaftig gesehen hatte, bezahlte. Bis November 2013 waren es 62.000 Euro.

Moderne Heiratsschwindler

Jeff heißt nicht Jeff, und er lebt auch nicht in Nottingham. Er ist auch nicht auf den Fotos zu sehen, die er Eva L. geschickt hat. Die Fotos stammen vermutlich aus dem Internet und zeigen irgendeinen Mann. Es gibt Jeff überhaupt nicht.

Er ist vielmehr das Produkt einer Bande von Betrügern, sogenannten Love-Scammern. Die Liebes-Betrüger sind moderne Heiratsschwindler. Sie finden ihre Opfer im Internet und gaukeln ihnen in vielen Mails mit einer völlig falschen Vita, aber offenbar recht überzeugend, eine Liebesbeziehung vor. Später geben sie vor, in Schwierigkeiten zu stecken und verlangen Geld. Bei Jeff war es angeblich ein Überfall auf einer Geschäftsreise in Ghana, bei dem er angeblich alles verloren hatte: seine Brieftasche, seinen Laptop, den Pass und den Koffer. Er rief Eva L. an, sie schickte Geld.

Seit Mittwoch muss sich ein mutmaßliches Mitglied der Bande vor dem Landgericht verantworten. Der Nigerianer Monday E. gehört nicht zu den Drahtziehern, die im Ausland agieren. Die Bande soll bei den 15 in der Anklage aufgeführten Opfern – 13 Frauen und zwei Männer – insgesamt rund 150.000 Euro erbeutet haben. Monday E. trat demnach unter acht Alias-Namen als ein Geldabholer auf und nahm den Opfern Summen von bis zu 10.000 Euro ab, die er dann nach Abzug einer Provision an die Hintermänner weiterreichte.

„Ich habe ihm anfangs alles geglaubt“

Der vorbestrafte Angeklagte, der bis zu seiner Verhaftung als Hausmeister in Berlin gearbeitet hatte, leugnet die meisten der 15 angeklagten Taten. In einigen Fällen will er lediglich aus Gefälligkeit für einen Bekannten das Geld entgegengenommen haben. „Wenn ich von dem Betrug gewusst hätte, dann hätte ich doch niemals meinen richtigen Namen genannt“, beteuert Monday E..

Im November vergangenen Jahres wurde der Mann schließlich festgenommen, als er mit einem falschen Pass Geld entgegen nehmen wollte. Von Eva L., die für ihren imaginären Traummann 10.000 Euro und für den Geldabholer 1000 Euro dabei hatte. Mit diesem Geld wollte Jeff sein angebliches Millionenvermögen freischalten.

Die Frau war nach den vielen Geldforderungen und Geschichten ihres Internet-Liebhabers irgendwann doch misstrauisch geworden. Sie hatte Rat bei einem Rechtsanwalt gesucht, der die Polizei einschaltete.

Eva L. hat all ihr Erspartes an die Betrüger verloren und für den falschen Jeff sogar einen Kredit aufgenommen. 400 Euro zahlt sie dafür jeden Monat ab. „Ich habe ihm anfangs alles geglaubt“, sagt sie. Er habe ihr Blumen geschickt. Sie habe am Telefon sogar mit seiner Tochter gesprochen. Bis heute weiß sie nicht, wer Jeff und das Mädchen waren. Der Prozess wird am 21. Mai fortgesetzt.