LSBTI in Berlin: Wie Lela Lähnemann seit drei Jahrzehnten für Gleichberechtigung kämpft

Berlin - Auf ihrem Computer hat Lela Lähnemann einen Ordner mit dem Namen „Balsam für die Seele“. Darin sammelt die 65-Jährige Zuschriften von Menschen, denen sie mit ihrer Arbeit geholfen hat. Manchmal ist der Ordner bitter notwendig – zum Beispiel, wenn eine Pressemitteilung, die Lähnemann aufgesetzt hat, mal wieder ein halbes Jahr braucht, bis sie die Hierarchien durchlaufen hat. „Anerkennung habe ich oft nur aus der Zivilgesellschaft erfahren“, sagt Lähnemann.

Die kleingewachsene Frau mit der aufrechten Haltung ist seit rund 30 Jahren Kämpferin gegen die Benachteiligung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) in der Berliner Verwaltung. 1989 schuf der damals rot-grüne Senat das Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und war damit bundesweit Vorreiter. Lähnemann war eine der ersten Mitarbeiterinnen. Heute heißt die Behörde „Fachbereich LSBTI“ und Lähnemann geht in Rente – an diesem Dienstag feiert sie ihren Abschied.

Trubel um ihre Person ist nicht Lähnemanns Sache. Sie wirkte immer im Hintergrund: sammelte Studien, organisierte Tagungen, verfasste Broschüren, setzte sich mit Diskriminierten und Unterstützerorganisationen zusammen, studierte Rechtsauslegungen und arbeitete an deren Überarbeitung mit.

Lela Lähnemann ist begeisterte Kampfsportlerin und Musikerin

Viele Prozesse hat Lähnemann so begleitet oder gar angestoßen, gegen alle Vorurteile. Viel Geduld musste sie dabei aufbringen. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, ist ihr Credo. In den 90er Jahren setzte sie sich dafür ein, dass Schulen als Teil des Sexualkundeunterrichts auch über Homosexualität aufklären dürfen.

„Kontrapoduktive Werbung für außerschulisches Intimverhalten“, nannte der Schulsenator das damals noch. Von Anfang an begleitete sie Lesben und Schwule, die heiraten und Kinder haben wollten.

Aus gesammelten Einzelfällen machte ihr Referat der Politik klar: Das ist strukturelle Benachteiligung. Für eine Veranstaltung erfand Lähnemann 2002 das Wort „Regenbogenfamilien“, das heute im Duden steht. Einer ihrer größten Meilensteine: die Novelle zum Lebenspartnerschaftsgesetz 2003, die Lesben und Schwulen die Stiefkindadoption ermöglichte.

Jetzt geht sie. Doch ihre Arbeit wird sie wohl nicht ganz loslassen. Sie hat genug Hobbys, um die neugewonnene Freizeit zu füllen, ist begeisterte Kampfsportlerin und spielt Waldhorn und Gitarre. Doch Lähnemann sieht noch viele offene Baustellen, zum Beispiel eine dringend nötige Änderung des Transsexuellengesetzes, die erlaubt, dass Transsexuelle im Pass ohne Atteste von Psychiatern ihr Geschlecht wechseln können. Wahrscheinlich, sagt Lähnemann lachend, schwebe sie noch einige Zeit als Geist durch die Justizverwaltung.