Für seine Filme wird Ernst Lubitsch schon seit Jahrzehnten von Generationen von Regiestudenten heiß verehrt. Sie alle versuchen, hinter das Geheimnis zu kommen, das man den „Lubitsch Touch“ nennt. Die Filmstudenten und alle anderen Freunde des gepflegten Kinoerlebnisses (kein 3D!) haben ab Ende der Woche eine neue Pilgerstätte: Im Kino Babylon wird von Freitag an für zehn Tage auf einem Festival das Gesamtwerk (soweit es aufzutreiben war) des Meisters präsentiert. Zur Eröffnung gibt es einen Liederabend mit Songs und Anekdoten, den der niederländische Entertainer Robert Kreis präsentieren wird. Im Publikum soll dabei ein ganz besonderer Gast sitzen: Nicola Lubitsch, die 74 Jahre alte Tochter des Regisseurs.

Sie war noch nicht einmal ein Jahr alt als der britische Ozeandampfer Athenia mit ihr und ihrem Kindermädchen Consuela Strohmeier sowie über 1 000 weiteren Menschen an Bord von einem deutschen U-Boot im Atlantik versenkt wurde. Die kleine Nicola überlebte damals nur, weil das Kindermädchen sie im Wasser auf ihre Schultern nahm, bis beide gerettet wurden. Und genau deshalb kennt man auch heute noch den Namen des Kindermädchens. Beim Festival im Babylon, das neben ihrem Vater auch dem Komponisten Werner Richard Heymann gewidmet ist, hat Nicola Lubitsch die Aufgabe übernommen, die Einführung in den berühmtesten Lubitsch-Film zu geben. Am Samstag um 20.15 Uhr erzählt sie über die Entstehung des Meisterwerks „Ninotchka“, für das damals mit dem Satz „Die Garbo lacht!“ geworben wurde, weil zuvor nie jemand Greta Garbo auf der Leinwand lachen gesehen hatte.