Berlin - Ruhig, klar und sachlich spricht Lucas Halle – und das ist durchaus überraschend. Denn der Mann ist gerade mal 24 Jahre alt. Doch trotz seines jugendlichen Alters hat er die Wahl für ein ehrwürdiges Amt gewonnen. Er wird Bürgermeister von Zehdenick, einer 14.000-Einwohner-Gemeinde nördlich von Berlin. Damit ist ihm eine echte Überraschung gelungen.

Er erzählt, dass auch seine Eltern staunten. „Sie stehen voll hinter mir“, sagt er. „Aber meine Kandidatur haben sie dann doch auch mit einem Lächeln begleitet. Sie hielten es einfach für recht unwahrscheinlich, dass ich die Stadt erobere. Doch es hat geklappt, und sie waren überwältigt.“

Nun ist Lucas Halle ein Mann der Superlative: Er ist der derzeit jüngste hauptamtliche Bürgermeister in der gesamten Bundesrepublik und auch noch der erste Brandenburger, der diesen Titel bislang erobert hat. Ein Titel, der erstmals seit 20 Jahren wieder nach Ostdeutschland geht.

Politik statt Bolzplatz

Er selbst sieht sich nicht als politischen Heißsporn, sondern eher als jemanden, dem es um Strukturen, Zahlen und Organisation geht. „Ich hatte schon recht früh einen Blick für Probleme und für Lösungen“, sagt er. Er studierte Öffentliche Verwaltung und arbeitet seit zwei Jahren als Personalsachbearbeiter in der Hochschule der Polizei in Oranienburg. „Die haben sich für mich gefreut, aber auch gesagt, dass sie bedauern, dass ich gehe.“

Halle tritt sein Amt wohl Anfang April an und ist für acht Jahre gewählt. „Ich hoffe, dass ich die acht Jahre voll mache“, sagt er und lacht. Sein parteiloser Vorgänger kam nach zwei Jahren Amtszeit einem Abwahlverfahren zuvor und trat ab.

Seit einem Jahr ist Halle in der SPD, war aber schon immer aktiv, als Sprecher der Schüler oder der Auszubildenden. „Ich bin auch freiwillig zur Stadtverordnetenversammlung gegangen, während Freunde auf dem Bolzplatz waren oder Musik machten.“ Sein Ziel: Junge Leute für die Politik begeistern. „Ich will sie mitreißen, damit sie sich engagieren. Gleichzeitig gibt es genügend Probleme für alle Altersschichten zu lösen.“ Er freut sich auf das Amt – doch es gibt auch ein Aber: „Meine Dauerkarte bei Hansa Rostock wird wohl ruhen müssen.“

Hartmut Leib, SPD-Fraktionschef in Zehdenick, freut sich über den Sieg, gesteht aber: „Wir wissen, dass die Erwartungshaltung hoch ist.“ Doch er ist sich sicher, dass Halle sie erfüllen kann. „Er hat die nötige Qualifikation und mittlerweile tatsächlich eine Persönlichkeit, um diese Aufgabe zu meistern.“ Mit solch jungen Politikern sei ein Aufbruch möglich.

Das sehen auch die Zehdenicker so, die ihm mit 88 Prozent ein Ergebnis bescherten, von dem die meisten altgedienten Politiker nur träumen können.