Berlin - Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) beschäftigt eine Schmiererei an einer Baustellenplane in Berlin-Mitte den Staatsschutz. Unbekannte Täter beschrifteten die Plane mit den Worten „Lübcke hat bezahlt, Merkel noch nicht“, wie eine Polizeisprecherin am Freitag sagte. Ein Zeuge rief deshalb am Donnerstagabend die Polizei zum Tatort in der Nähe der Museumsinsel.

Die Beamten entfernten den Schriftzug nach eigenen Angaben „nahezu gänzlich“. Der Staatsschutz ermittelt den Angaben zufolge wegen Sachbeschädigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Auf Anfrage konnte die Polizeisprecherin zunächst nicht sagen, ob die Tat auch als Drohung gegen Merkel eingestuft wird.

Lübcke wurde Anfang Juni auf seiner Terrasse erschossen. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der 45-jährige Stephan E. aus Kassel hat die Tat gestanden und sitzt in Untersuchungshaft. Lübcke war schon vor der Tat wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden. Er hatte sich 2015 auf einer Informationsveranstaltung zu einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. (dpa)