Entschlossen: Die Mieter des  Hauses wollen sich nicht verdrängen lassen. 
Foto: Andreas Klug

BerlinDas Haus ist eines der bekanntesten in Berlin. Es liegt am Rand der ehemaligen Einflugschneise zum Flughafen Tempelhof. Während der Luftbrücke 1948 bis 1949 setzten hier die Rosinenbomber zur Landung an – über den Köpfen wartender Kinder. Auf historischen Fotos ist eine Ecke des Gebäudes zu sehen. Jetzt wurde das Luftbrückenhaus, wie der Wohnblock genannt wird,   verkauft. Die Bewohner fürchten, dass sie verdrängt werden.

„Es ist eine bedrohliche Situation für alle“, sagt eine 66-jährige Mieterin, die seit Jahren in dem Gebäude an der Leine-/Ecke Oderstraße in Neukölln lebt. Mitte Februar erfuhren die Mieter vom Bezirksamt, dass der alte Eigentümer den Wohnblock mit 164 Wohnungen verkauft hat. „Wir befürchten, zum Objekt für Spekulation zu werden und Mieterhöhungen, die viele zwingen, auszuziehen“, schreiben die Mieter in einer Mitteilung.

Bewohner befürchten Spekulationen und Mieterhöhungen

Die Bewohnerschaft im Luftbrückenhaus ist so bunt wie der Bezirk. Hier leben Familien, alleinstehende Frauen mit Kindern, Rentner, Ehepaare und junge Leute in Wohngemeinschaften. Die Mietdauer variiert zwischen zwei und 52 Jahren. Die 66-Jährige sagt, sie zahle für ihre 72 Quadratmeter große Wohnung zurzeit 720 Euro. Wenn sie ihre Wohnung verlassen müsse, werde sie in dem Kiez zu dem Preis keine neue Wohnung mehr finden.

Ein Bild, das Geschichte machte: Ein Rosinenbomber im Anflug auf den Flughafen Tempelhof. Links im Bild der Wohnblock an der Leine-/Ecke Oderstraße.
Foto: USAF/Henry Ries

Für eine 35-Jährige, die schwanger ist, ist es besonders schwierig. Sie habe sich bisher immer sicher gefühlt, sagt sie. „Die Vorstellung, ein Neugeborenes zu haben und nicht zu wissen, wie es weitergeht, ist beunruhigend.“

Noch ist der Verkauf des Luftbrückenhauses nicht rechtskräftig, weil der Komplex in einem Milieuschutzgebiet liegt. Beim Verkauf von Häusern in Milieuschutzgebieten haben die Bezirke zwei Monate Zeit, um in den Kaufvertrag einzutreten, wenn zu befürchten ist, dass die Ziele des Milieuschutzes ausgehebelt werden. Dies gilt insbesondere, wenn Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Nicht zum Zuge kommt das Vorkaufsrecht, wenn sich der Käufer verpflichtet, die Ziele des Milieuschutzes einzuhalten. Eine solche Verpflichtung wird im Behördendeutsch Abwendungserklärung genannt.

Der Bezirk prüft derzeit das Vorkaufsrecht

Der Bezirke prüfe derzeit das Vorkaufsrecht, sagt Stadtentwicklungsstadtrat Jochen Biedermann (Grüne). Nach der Zahl der Wohnungen sei dies der bisher umfangreichste Prüffall in Neukölln. „Grundsätzlich suchen wir nach einem Käufer, der die Häuser im Einklang mit den Zielen des Milieuschutzes bewirtschaftet“, so der Stadtrat. Bei einem Objekt mit der Größe des Luftbrückenhauses kämen dafür „sicherlich städtische Wohnungsbaugesellschaften und größere Genossenschaften infrage“.

Der Mietendeckel schränke die Möglichkeiten aller Akteure auf dem Immobilienmarkt zwar ein. Der Bezirk übe sein Vorkaufsrecht aber trotzdem noch aus: Erst in der vergangenen Woche sei das Vorkaufsrecht für die Juliusstraße 59 rechtskräftig geworden, so Biedermann. Das Haus gehe ins Eigentum der Gewobag über.

Die 35-jährige Schwangere setzt darauf, dass auch den Mietern des Luftbrückenhauses geholfen wird: „Wir sind optimistisch“, sagt sie.