Berlin - So wie am Donnerstag. Einer Anruferin, die sich über den Fluglärm empörte, kamen sogar Tränen. Regine Rausch-Gast versuchte, die Frau zu beruhigen. Denn im Grunde ihres Herzens ist sie froh, dass in Tegel überhaupt noch geflogen werden kann.

Wäre sie nämlich dem Willen der Flughafengesellschaft gefolgt, hätte Tegel die Arbeit am 3. Juni einstellen müssen – unabhängig von der verzögerten Fertigstellung des neuen Airports BER in Schönefeld. Ein Großteil der bereits gebuchten Flüge wäre ausgefallen oder hätte über andere Städte abgewickelt werden müssen. Kaum zu glauben, aber die Flughafengesellschaft hatte noch im Januar bei der obersten Luftfahrtbehörde Berlin – also bei Regine Rausch-Gast – beantragt, die Betriebsgenehmigung für Tegel mit dem 3. Juni unverzüglich enden zu lassen.

Die Juristin hatte ein mulmiges Gefühl im Bauch, als sie den Antrag auf den Tisch bekam. „Dass Berlin eventuell ganz ohne Flughafen dasteht, das wollte ich auf jeden Fall verhindern“, sagt Regine Rausch-Gast. Sie machte sich schlau, hörte Beteiligte an, und wog die Sache mit Mitarbeitern der Senatsverwaltung ab. „Was ist, wenn der neue Flughafen auch nur einen Tag später fertig wird?“, fragte man sich in der Behörde. Am Ende schrieb Regine Rausch-Gast einen hausinternen Vermerk. Sie machte klar, dass sie den Antrag nicht akzeptieren wolle. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) nahm das Schreiben zur Kenntnis – und sah es genauso. Nun gilt einfach weiter, was schon 2004 beschlossen worden war: Nach der Eröffnung des BER bleibt die Genehmigung für Tegel übergangsweise in Kraft, und zwar sechs Monate lang.

Wenn es diesen Beschluss längst gab, worin bestand dann das Problem? Warum hat die Flughafengesellschaft den Antrag auf Widerruf überhaupt gestellt? Regine Rausch-Gast erklärt das so: Ursprünglich war vorgesehen, dass der Flugbetrieb schrittweise nach Schönefeld verlegt wird. Der Plan, vom 2. zum 3. Juni, also innerhalb einer Nacht umzuziehen, entstand erst später. Die Übergangsfrist hätte aber bedeutet, dass auch die damit verbundene Betriebspflicht sechs Monate länger bestanden hätte. Tegel hätte Personal und Technik vorhalten müssen, obwohl nicht mehr geflogen wird. Der Flughafen wollte also Kosten sparen.

Hätte Regine Rausch-Gast das so entschieden – der Beschluss wäre nicht mehr rückholbar. „Es wäre jetzt ein ganz neues Zulassungsverfahren notwendig“, sagt die Expertin. Das würde Monate dauern, und außerdem wäre nicht einmal sicher, ob der Betrieb auf dem alten Flughafen überhaupt wieder genehmigt werden könnte. Der Lärmschutz beispielsweise habe sich in den letzten Jahren viel weiter entwickelt. Trösten wird das die betroffenen Anwohner nicht unbedingt.