Berlin - Richtig getraut hat sich René Kamenz bisher noch nicht. Seine Freundin Sabrina, mit der er seit knapp drei Jahren zusammen ist, würde ihn gerne heiraten. Aber der Antrag, sagt sie, der müsse schon von ihm kommen. Bislang war der 29-jährige Projektmanager aus Charlottenburg gegen eine Hochzeit. Aber zum Valentinstag am 14. Februar will er seine Freundin mit einer Art Eheschließungs-Kompromiss überraschen und sie symbolisch heiraten – in einer aufblasbaren Kirche, die nur für diesen einen Tag auf dem Petriplatz in Mitte aufgestellt wird. Auf dem heute unbebauten Areal nahe der Gertraudenbrücke stand früher die Petrikirche, es war der zentrale Platz in der mittelalterlichen Stadt Cölln.

Nun können sich dort in einer bunten, 15 Meter hohen, 15 Meter langen und acht Meter breiten, begehbaren Plastikkapelle Verliebte das Jawort geben. Ein Online-Portal, das im Internet Privatunterkünfte vermittelt, hat sich die Aktion ausgedacht. „Wir wollten etwas zum Valentinstag machen, sind im Internet auf die aufblasbare Kirche gestoßen und fanden die Idee lustig“, sagt eine Sprecherin der Berliner Firma, die von der „ersten Pop-up Kirche der Stadt“ spricht. Näher liegt allerdings der Gedanke an eine Hüpfburg, auch wenn man nicht wie ein Flummi hin- und hergeworfen wird, weil es im Inneren keine Luftkissen gibt, sondern festen Boden.

Bei Wind wird die Trauung abgeblasen

Zwischen 10 und 18 Uhr finden am 14. Februar Trauungen im 15-Minuten-Takt statt. 24 Paare können sich symbolisch die Treue versprechen, gegen vorherige Anmeldung im Internet (www.wimdu.de) und eine Vermählungsgebühr in Höhe von 20 Euro. Ein Pfarrer-Darsteller wird ein paar warme Worte sprechen, die Paare können sich Ringe anstecken und den berühmten Satz sagen: „Ja, ich will.“ Bis zu 60 Gäste können der Möchtegern-Hochzeit beiwohnen. Offiziell ist die Eheschließung nicht, am Ende wird lediglich ein symbolisches Zertifikat überreicht. Bisher haben acht Paare die Zeremonie gebucht, darunter Berliner, aber auch ein Paar aus Österreich.

René Kamenz findet die Idee gerade wegen der Unverbindlichkeit gut: „Wir schauen erstmal, wie uns das Heiraten gefällt und sehen dann weiter.“ Ringe hat er schon besorgt, silberne vom Juwelier, die zumindest Ähnlichkeit mit Eheringen haben. Er sieht die Aktion als Generalprobe – spätere Echt-Vermählung nicht ausgeschlossen.

Die Veranstalter müssen sich vor allem um das Wetter sorgen. Bei starkem Wind darf die Kirche, die mit Heringen im Boden verankert ist, nicht aufgebaut werden. Schnee ist auch schlecht, der weißen Last würde das Lufthaus nicht standhalten. Immerhin, mit der Genehmigung sollte es kein Problem geben. Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die informiert ist, sind die archäologischen Grabungen auf diesem Teil des Petriplatzes abgeschlossen. Die deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) als Entwicklungsträger habe ihnen das Grundstück für diesen einen Tag zur Verfügung gestellt, so die Sprecherin des Veranstalters.

Raum für Gemeindefeste

Geliefert wird das mobile Gotteshaus vom Landeskirchenamt in Erfurt. Die evangelische Kirche Mitteldeutschlands vermietet es fünf bis zehn Mal pro Jahr deutschlandweit – allerdings sonst eher für geistliche Zwecke. Es wird bei Gemeindefesten aufgestellt oder für Ausstellungen genutzt, als „Hingucker, um auf die Institution Kirche neugierig zu machen“, wie es heißt. Die Einnahmen aus der Vermietung nutzt vor allem die Diakonie für ihre Arbeit.

Das Phänomen der mobilen Kirche ist gar nicht so selten, wie man vielleicht vermuten würde. Die evangelische Kirche in Hessen tourt mit einer Lichtkirche aus Plexiglas durch die Lande, in Ostfriesland hat eine Baptistengemeinde vergangenes Jahr eine mobile Fahnenkirche aus wehenden Stoffbahnen eingeweiht, die evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hat sich ein begehbares Kirchenfenster bauen lassen – ein großer Würfel mit bunten Scheiben. Ein Geschäftsmann aus Serbien vermietet in seiner Heimat neuerdings eine massive und doch mobile Kirche für die Hochzeit im eigenen Garten. „Die erste transportable orthodoxe Kirche zum Mieten“ nennt er seine fünf Tonnen schwere Stahlkonstruktion, die mit dem Segen der Kirchenbehörden per Gabelstapler transportiert wird.

In Berlin ist die Konstruktion nicht ganz so aufwendig: Sie wird erst am Veranstaltungstag aufgerichtet. Eine Stunde dauert es, bis die Kapelle steht.