Die schlechten Nachrichten für Normalbürger zuerst: Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) ist ausverkauft. Der Veranstalter, die Messe Berlin, hat die Besucherzahl begrenzt – auf 10.000 pro Tag.

Es gibt auch weniger Flugvorführungen, weil der BER inzwischen in Betrieb gegangen ist und die zweite Startbahn nicht mehr unbegrenzt für die Düsenjäger zur Verfügung steht. Und die Zahl der Aussteller auf dem Messegelände in Selchow hat sich im Vergleich zu 2018 halbiert, auf etwa 550. Auch der beeindruckende B1-Bomber fehlt diesmal.

Unter dem Motto „Pioneering Aerospace“ war die Messe am Mittwoch von Bundeskanzler Olaf Scholz eröffnet worden. Noch bis Freitag ist die Ausstellung nur Fachbesuchern vorbehalten. Am Wochenende können dann aber all jene, die das Glück hatten, online eine Eintrittskarte zu ergattern, auf das Gelände strömen.

Bereits die Fachbesucher müssen anstehen, wenn sie das Cockpit eines Tornado besichtigen wollen. Wird das Kampflugzeug angesichts des Ukraine-Krieges nicht woanders gebraucht?

Der Tornado sei ausgemustert, sagt der Pilot. Und auf dem Landweg hierher geschafft worden. Dass das Gerät nicht mehr flugfähig ist, findet er nicht schlecht. „Denn schon ein abgerissener Knopf, den ein Besucher dann im Cockpit verliert, kann beim Flug zum tödlichen Geschoss werden.“ Es sei gerade schwierig, die wenigen einsatzbereiten instand zu halten, sagt er dann noch. Es gebe Lieferprobleme bei den Ersatzteilen. „Man muss nehmen, was man kriegt.“

Eine der größten Rüstungsmessen Europas

Viele Fachbesucher auf der ILA tragen Uniform, das Militärische überwiegt. Die ILA ist eine der größten Rüstungsmessen Europas. Und so sind hier die üblichen alten Bekannten des Luftkrieges zu sehen: Eurofighter, Tornado, F16, F15, das Transportflugzeug C-17 Globemaster III. So eine hob am 15. August 2021 in Kabul wegen der vorrückenden Taliban mit 823 Menschen im Laderaum ab – mit der bis dahin größten Anzahl Personen in einer startenden C-17.

Zu sehen ist auch der Düsenjäger F-35. Er soll jetzt für die Bundeswehr beschafft werden, so wie auch der Chinook-Transporthubschrauber, den die US Army hier gelandet hat. Am Absperrgitter des zweimotorigen Chinook steht Mister Armstrong in Uniform und mit Krempenhut und erklärt, warum sie sich Air Cavalry nennen: Weil zu Beginn des Vietnamkriegs die 1. Kavalleriedivision von einer Infanteriedivision zu einer Division mit Hubschraubern umstrukturiert worden sei. „Die Reiter gingen in die Luft. Geblieben sind die Hüte.“

Er und sein Kollege, der die Besucher durch das Innere des Helikopters führt, sind in Plauderlaune. Der Helikopter trägt den Namen „Garfield“. Ein zweiter heiße „Pink Panther“, sagen sie. Auf dem asphaltierten Rollfeld hat sich Mister Armstrong einen Sonnenbrand geholt. „Da drüben stehen auch unser Apache und der Black Hawk“, sagt er.

Zwischen seinem Chinook und einem Sikorski CH-53, einem mittleren Transporthubschrauber der Bundeswehr, steht in taubenblauem Anzug ein schwitzender Mann mit verkniffenem Gesicht. Er ist umgeben von Assistenten und einer Frau mit Klemmbrett. Er knipst ein Grinsen an, spricht in eine Kamera und macht sich über Verteidigungsministerin Lambrecht lustig: „Für Familie Lambrecht wird sich hier drin bestimmt ein schönes Plätzchen finden“, sagt er in Anspielung auf die Flugaffäre der Ministerin, die ihren Sohn mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr nach Sylt mitfliegen ließ.

Ein Flugtaxi und elektrische Triebwerke

„Keine Fotos bitte“, sagt ein Assistent dieses Mannes zu einem Besucher. „Wer ist das denn?“ – „Das ist Ingo Appelt.“ – „Ist das nicht irgend so ein Komiker?“, fragt der Besucher und lauscht noch ein bisschen, wie sich Fachbesucher Ingo Appelt für die RTL-Sendung „Mario Barth deckt auf“ nun vor dem Sikorski über die veralteten Bundeswehrbestände lustig macht.

„Er hat ja recht“, sagt einer der Soldaten am Absperrgitter. „Wenigstens sind unsere Patches jetzt schön im Fernsehen.“ Dabei klopft er auf das Symbol an seiner Uniform.

Ein paar Meter weiter steht schon wieder ein alltäglich wirkender Tornado. Aber sein Gepäck ist eindrucksvoll: die IRIS-T AIM-2000, ein Rakete mit Infrarot-Suchkopf, die es auf 3000 Stundenkilometer schafft. Und eine Präzisionsbombe GBU-54 C mit Lasersuchkopf.

Der Begriff „Luftfahrt“ muss hier auf der ILA sehr weit gefasst werden. Nicht nur, dass die hier ausgestellte Eurodrohne gewissermaßen auch durch die Luft „fährt“. Auch das von Diehl Defense entwickelte Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM lässt seine Raketen vom Boden in die Luft „fahren“. Bei vorangegangenen Messen waren in der Halle C, die jetzt vom BER genutzt wird, noch mehr Produkte zu bestaunen, die durch die Luft „fahren“ – ästhetisch auf einer Etagere platzierte strahlend messingglänzende Patronen zum Beispiel und auch weitere Düsenjäger-Raketen.

Etwas zivile Luftfahrt kann vom ticketbesitzenden Normalbürger am Wochenende auch besichtigt werden. Zum Beispiel das Modell eines Flugtaxis. Die ILA-Veranstalter betonen, dass die Messe diesmal besonders im Zeichen der Innovation steht. Klimaneutrales Fliegen ist ein großes Thema. Rolls-Royce entwickelt etwa elektrische Antriebssysteme.

Mittelständler mit Innovationen und ein Airbus mit gefliestem Bad

In Halle 1 präsentieren sich zahlreiche mittelständische Betriebe, deren Namen für viele unbekannt sein dürften, die aber mit ihren Produkten mit den Wohlstand dieses Landes erwirtschaften. Etwa eine Flugzeug-Galvanik-Firma aus Sachsen, ein Betrieb aus Baden-Württemberg, der Verbindungselemente für die Luft- und Raumfahrt oder eine Firma aus Bayern, die Teile für Satelliten, Helikopter und Flugzeuge herstellt. Nicht zu verachten ist auch die Halle, in der sich Firmen vorstellen, die für die Raumfahrt produzieren und entwickeln.

Dass es diesmal weniger Aussteller sind, liegt nicht nur daran, dass die Russen wegen ihres Überfalls auf die Ukraine ausgeladen sind. „Es steht auch weniger Veranstaltungsfläche zur Verfügung“, sagt eine Sprecherin der Messe GmbH.

Und darin liegt eben die gute Nachricht für die Besucher am Wochenende: Sie müssen nicht mehr so viel laufen. Vielleicht müssen sie auch nicht mehr so lange anstehen wie früher. Wenn sie den super-luxuriösen Airbus A 380 der Fluggesellschaft Emirates besichtigen wollen, der ausgestattet ist mit Bar und gefliestem Bad. Wenn sie sich durch das Avacs-Aufklärungsflugzeug, das fliegende Radarsystem der Nato, schieben. Oder wenn sie sich in das Cockpit eines ausgemusterten Tornado setzen möchten.