Sie kamen auf Fahrrädern, schlugen die Scheiben ein und verschwanden schnell: Eine Gruppe Unbekannter hat in der Nacht zum Donnerstag das noble Neubauprojekt Marthashof in der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg beschädigt. Gegen 1.30 Uhr wurden Nachbarn in der Straße geweckt, als Steine gegen die Glasscheiben des Marthashofes geschleudert wurden. Die Täter hatten 28 Scheiben von Wohnungen und Geschäften eingeworfen.

Die Polizei teilte am Donnerstag mit, dass Zeugen aus ihren Fenstern fünf bis acht Tätern gesehen habe, die auf Fahrrädern geflüchtet seien. Zuvor hatten sie noch so genannte Krähenfüße auf die Straße gelegt, so dass ein Funkstreifenwagen der Polizei, ein Taxi und ein Fahrrad beschädigt wurden. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen.

Proteste linker Gruppen

Schon seit sechs Jahren protestieren linke Gruppen und Anwohner gegen den Luxusneubau der Stofanel Investment AG. Die Luxus-Wohnanlage empört die Gentrifizierungsgegner wie kaum ein anderes Objekt im Kiez. Sie gründeten eine Anwohnerinitiative, konnten den Bau mit 140 Wohnungen aber nicht verhindern. Und während der Investor seinen Neubau als „urban village“ mit Dachterrassen, Loggien, Privatgärten, Wasserspielen und berankten Pergolen für rund 3000 Euro pro Quadratmeter anpries, sehen Kritiker in dem Bau vor allem eine gated community – eine abgeschottete Wohnanlage, in der Anwohner benachbarter Häuser nichts zu suchen haben.

Lange Zeit gab es Streit über den öffentlichen Zugang zur Parkanlage mit Spielplatz im Innenhof. Denn der Bezirk Pankow hatte den Investor schon mit der Baugenehmigung aufgefordert, dass der Hof öffentlich zugänglich bleiben müsse. Doch Anwohner berichteten später immer häufiger, dass die Tore zum Hof tagsüber verschlossen seien. Längst sind alle Wohnungen verkauft, die getroffenen Vereinbarungen mit dem Investor gelten nicht mehr.

Die Pankower Bezirksverordneten wollten sich unter dem Motto „Marthashof für alle“ dafür einsetzen, dass der Hof bis 20 Uhr für alle Nachbarn geöffnet bleibe.
Vor einigen Monaten erklärte der Bezirk jedoch, dass er diese Forderung nicht durchsetzen könne. Mit dem Wegfall des Sanierungsrechts bestehe kein wirksames Instrument mehr zur Durchsetzung der öffentlichen Zugänglichkeit, teilte der Bezirk im Februar 2014 mit und erklärte den Fall für erledigt.