Wenn im ehemaligen Osthafen in Friedrichhain gebaut wurde, ging es bislang hauptsächlich um Firmensitze: für Fernsehsender und Mediendienstleister, für Modelabels und Musikunternehmen, für einen US-Brausehersteller und für IT-Startups. Sie alle bezogen sanierte historische Hafengebäude oder eigens errichtete Neubauten. Auch ein Hotel gibt es dort, es lockt mit quietschbuntem Design vor allem Künstler und Kreative auf das Gelände, das sich hinter einer hohen Steinmauer von der verkehrsreichen Stralauer Allee und den umliegenden Wohnvierteln abschottet.

4500 Euro pro Quadratmeter

Jetzt soll auf dem alten Hafengelände, das seit Mitte der 1990er-Jahre kein Hafen mehr ist, auch gewohnt werden. Zwischen den Neubauten für MTV/Viva und Coca Cola Deutschland plant ein Hamburger Investor Eigentumswohnungen. „Wir möchten dort unter anderem den Menschen, die im direkten Umfeld arbeiten, die Möglichkeit bieten, in der Nähe des Arbeitsplatzes zu wohnen“, sagt Michael Miersch von der Wulff Hanseatische Bauträger GmbH (WHB). Gerade hat man den Bauantrag im Bezirksamt eingereicht, im Frühjahr 2015 sollen die 68 Zwei- bis Vierzimmer-Wohnungen fertig sein. Mit durchschnittlich 4 500 Euro pro Quadratmeter sind sie allerdings nicht gerade billig. Der Kaufpreis für Eigentumswohnungen im Szenebezirk Friedrichshain lag bislang bei maximal 3 300 Euro.

Doch Immobilien-Investoren setzen offensichtlich auch beim Preis auf Wachstum: „Wir glauben an die Zukunft und das Potenzial des Berliner Immobilienmarktes, zumal sich Stadtteile wie Friedrichshain wachsender Beliebtheit erfreuen“, sagt der WHB-Geschäftsführer Stefan Wulff. Sein Unternehmen ist auch beim Projekt Dolziger Höfe im Samariterviertel beteiligt. Dort entstehen gerade bis zu 190 Quadratmeter große Mietwohnungen.

Auch die vier letzten unbebauten Grundstücke im alten Osthafen sind inzwischen verkauft, wie der Chef der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (Behala), Peter Stäblein mitteilt: Auf zwei der vier Areale zwischen Labels 2 und Elsenbrücke sind Wohnungen vorgesehen. „Vor vier Jahren wollten alle Investoren nur Büros bauen, jetzt liegen Wohnungen voll im Trend“, so Stäblein. An vielen Stellen am Friedrichshainer Spreeufer wird auf Wohnen gesetzt – auf Betongold, wie es wegen der hohen Renditen auch genannt wird. So wird auch östlich vom Ostbahnhof geplant, auf einem Areal, das die Post AG stückweise verkauft. Einer der Käufer ist die Aberdeen Asset Management Deutschland AG, eine Vermögensverwaltung mit Sitz in Frankfurt am Main. Das Unternehmen baut an der Mühlenstraße 36/37 ein siebengeschossiges Karree mit 231 Wohnungen.

Wohnen hinter der Mauer

Nebenan, auf dem Gelände der Anschutz Entertainment Group, sind gleich 500 Wohnungen geplant. Die Wohnkompanie Berlin will sie in zwei 80 sowie 90 Meter hohen Turmhäusern unterbringen. Die Mietpreise liegen zwischen gemäßigten neun und 14 Euro, die Kaufpreise kratzen aber auch hier an der 4 500-Euro-Grenze.

Vergleichsweise niedrig, bei 2 750 Euro pro Quadratmeter, beginnt die Preisliste für 36 Eigentumswohnungen unmittelbar am Spreeufer, hinter der East Side Gallery. Für den Bau des dort entstehenden, umstrittenen Wohnturms „Living Levels“ waren Teile der bemalten Mauer abgetragen worden.