Berlin - Am Stuttgarter Platz liegt ein Mann auf dem Boden mitten auf dem Bürgersteig. Neben dem Reglosen steht eine Bierflasche, eine gefüllte Plastiktüte vervollständigt das Bild, das auf bestürzende Weise ein alltägliches ist. Dennoch ist der Freundin und mir unbehaglich. Warum hat er sein Lager nicht an der Wand aufgeschlagen? Er hat ja nicht mal ein Lager. Er liegt einfach da. Und alle gehen vorbei. Die wenigsten bedenken ihn wenigstens mit einem kurzen Blick, viele telefonieren oder sind in Gedanken, auch diese Szenerie kennt man. Menschen, die auf Trottoirs liegen, gehören zum Straßenbild wie Bäume und Kippen.

Vorsichtig beugen wir uns herab und sprechen ihn an. Er reagiert nicht. Doch erleichtert hören wir ihn schnarchen. Es gibt Momente, in denen das ein sehr schönes Geräusch ist. Eines, das von Leben kündet. Von Normalität, wenn auch von einer furchtbaren. Das Geräusch im Ohr gehen wir weiter, erzählen einander von anderen Begegnungen dieser Art, reden über Unsicherheit und Ängste. Was wie grassierende Gleichgültigkeit daherkommt, ist ja häufig Furcht. Vor Abwehr, vor Aggression. Und ja, vor der Not. Blickt man ihr in die Augen, läuft der Moment von diesem Zeitpunkt an neben einem her.

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