Macht man mit Black Friday und Cyber Monday wirklich Schnäppchen?

Pro & Contra: Tolle Sparmöglichkeit oder großer Marketing-Nepp? Unsere Redakteure sind sich nicht einig über Black Friday und Cyber Monday.

Man kann ihm nicht entkommen: Der Black Friday wird einem allerorten um die Ohren gehauen.
Man kann ihm nicht entkommen: Der Black Friday wird einem allerorten um die Ohren gehauen.AFP

Am Freitag und dem kommenden Montag ist es wieder so weit: Sparwillige freuen sich auf den Black Friday und den Cyber Monday, zwei Tage mit Rabattschlachten, an denen in den Vereinigten Staaten traditionell das Weihnachtsgeschäft eingeläutet wird und die es seit ein paar Jahren auch in Deutschland gibt. An beiden Tagen werden Waren im Netz und im Einzelhandel angeblich zu wesentlich niedrigeren Preisen als sonst angeboten, nicht selten bis zu 70 Prozent billiger als an den anderen Tagen des Jahres.

In der Redaktion der Berliner Zeitung sind wir uns nicht einig geworden: Schnäppchen jagen oder ignorieren? Zuschlagen oder nachforschen. Hier zwei Meinungen und Fakten zum Black Friday und Cyber Monday.


Pro: Elitäre Kritik

Schon klar: Am Black Friday wird viel Unfug gemacht. „Schindluder getrieben“, wie es so schön heißt. Und das auf Seiten der Unternehmen wie der Kundschaft: Marken und Firmen, die angebliche Sensationsrabatte anpreisen, die sich als wenig günstige Mogelpackungen entpuppen. Kundinnen und Kunden, die ihre Warenkörbe mit allerhand Unsinn füllen, nur weil er gerade preiswert erscheint. Das ist alles gar nicht gut. Aber bedeutet das auch, den Black Friday boykottieren, ihn sogar abschaffen zu müssen, wie einige fordern? Ich finde nicht.

Auf Angebote angewiesen

Weil es viele Menschen mit geringem Einkommen gibt, gerade auch Familien, die sich nicht zuletzt im Hinblick auf das nahe Weihnachtsfest über das ein oder andere wirkliche Sonderangebot freuen. Die sich an diesem Freitag vielleicht endlich etwas kaufen, das sie sich ansonsten nur schwerlich oder gar nicht hätten leisten können. Und auch gibt es die Leute, die zwar locker über die Runden kommen – aber sich Ende November trotzdem über ein gutes Schnäppchen freuen. Die eben trotz des Werbe-Wahnsinns überall selbst am Black Friday mit Sinn und Verstand in Maßen shoppen.

Gerade aber in Bezug auf diejenigen, die in der Vorweihnachtszeit auf Angebote schlichtweg angewiesen sind, um ihrer Familie an Heiligabend ein paar Wünsche zu erfüllen, finde ich die lauthalse Kritik am Black Friday elitär und dekadent. Denn sie geht doch meist von Leuten aus, die auf Rabatte eben pfeifen können, die von oben herab und mit erhobenem Zeigefinger zum maßvollen Konsum mahnen. Aktionen wie den „Kaufnix-Tag“ finde ich sogar regelrecht zynisch in Anbetracht der Tatsache, dass sich viele Menschen tatsächlich oft nix kaufen – weil sie sich halt nix kaufen können.

Es ist doch so: Dass wir im hemmungslosen Kapitalismus leben, ist ziemlich blöd. Die wenigen Krümel aber, die einem dieses System ab und zu hinwirft, muss man dann doch nicht auch noch wegfegen. Irgendjemand wird sich darüber freuen. Und das ist vielleicht auch mal wichtiger als der Fakt, dass die Unternehmen an diesem und mit diesem Tag noch mehr Kohle scheffeln. Manuel Almeida Vergara


Contra: Gigantische Marketingmaschine

Am Freitag ist wieder Black Friday, am Montag darauf dann der Cyber Monday: Seit einigen Jahren sind beide Tage auch in Deutschland eine vermeintliche Möglichkeit zu sparen. Händler locken dann im Netz und stationär mit angeblichen Tiefstpreisen und gerade in der Krise werden viele sich überlegen, lange anstehende Käufe zu tätigen. Viele kaufen aber auch gerade wegen der Tiefpreise, die zum einen oft keine sind und zum anderen Menschen zu Käufen verlocken, die sie sonst wohl nicht tätigen würden. Denn wer kennt sie nicht, die Lust am Konsum? In Kombination mit einem klammen Geldbeutel scheint so eine Sparmöglichkeit wie der Black Friday also unschlagbar.

Aber spart man dabei wirklich, selbst wenn man eine dringend nötige Anschaffung wie beispielsweise eine neue Waschmaschine für 500 statt für 750 Euro tätigt? Klingt erst mal gut. Dazu sollte man aber wissen, dass weder der Black Friday noch der am Montag folgende Cyber Monday wirkliche Rabattschlachten sind, sondern vom Einzelhandel längst eingeplante Verkaufstage, deren vermeintliche Preissenkungen sich durch die zusätzlichen Verkäufe gegenrechnen lassen.

Der Mark ist gesättigt

Beliebt ist auch die Gegenüberstellung vom billigen Sonderpreis zur UVP (unverbindliche Preisempfehlung), die aber meist so hoch ist, dass sie ohnehin kein Händler verlangt. Am tatsächlichen Verkaufspreis gemessen, schrumpft der Rabatt also schnell von beispielsweise 50 Prozent auf viel weniger. Hinzu kommt die Tatsache, dass Rabatttage wie der Black Friday oder der Cyber Monday im Grunde nur das Weihnachtsgeschäft ankurbeln sollen. Viele Menschen kaufen dann nämlich noch weiter ein, denn sie sind der Überzeugung, durch die Rabattangebote Geld gespart zu haben, das sie nun zusätzlich ausgeben können.

In Deutschland spricht man zudem vom sogenannten gesättigten Markt. Black Friday und Cyber Monday sind im Grunde somit nicht mehr als gigantische Marketingaktionen, damit der Verbraucher an der Kasse nicht „lahmt“. Marcus Weingärtner