Mario Barth postete dieses Bild eines ascheinend obdachlosen Mannes mit Tablet-Computer.
Foto: Instagram/Mario Barth

BerlinÜber die Witze des Berliner Comedians Mario Barth kann nicht jeder lachen. Seine Gags seien flach, peinlich und häufig sexistisch, so eine gängige Kritik. Als er nun das Foto eines mutmaßlich Obdachlosen mit einem iPad oder Tablet in der Hand postete, ergoss sich wieder Häme über Barth. Diese Zurschaustellung sei geschmacklos.

Ein Mann sitzt auf einem Campingstuhl am Straßenrand, vor ihm auf dem Boden steht eine Büchse - anscheinend für Almosen. Und dann ist da noch der Klein-Computer in der Hand des Mannes. „Finde den Fehler? Kann man machen, muss man aber nicht“, kommentierte Barth das Bild auf seinem Instagram-Account – und schon hagelte es Kritik.

„Ich weiß schon, warum ich den Barth nicht mag. Immer auf andere drauf“, schrieb ein Instagram-Nutzer. Ein anderer fragte: „Kannst du auch Comedy, ohne über andere Menschen herzuziehen?“ Barth wurde als „dummer Mensch“ und „Dummkopf“ bezeichnet. Das Foto habe „nichts mit Spaß zu tun“. Es sei herablassend und „abartig“.

Barth stellte Internet-Nutzer auf die Probe

Doch zahlreiche Nutzer bemerkten, dass Barths Posting hintergründiger sein könnte, als es zunächst erscheinen mag. Wie meinte der Comedian seinen Satz „Finde den Fehler“? Warum hat der abgebildete Mann einen Rollkoffer bei sich? Warum trägt er seine Socken weit über die Hosenbeine hochgezogen? Geht es womöglich nicht um das iPad, sondern um andere Details? Ist der Mann am Ende kein Obdachloser, sondern ein Camper oder Reisender?

In einem Video erklärt Barth nun, dass sein Posting ein Internet-Experiment gewesen sei. „Wie reagieren die Leute eigentlich, wenn Sie einfach nur ein Foto sehen – eine Momentaufnahme?“, sagt er. Heutzutage würden sich viele Menschen ein „Riesen-Urteil“ aufgrund flüchtiger Eindrücke bilden und emotional reagieren. Die Hemmschwelle zum Mobbing sei niedrig. Auch in seinem Fall habe eine Minderheit „erschreckend“ reagiert – und in dem Mann nur schablonenhaft einen Bettler gesehen. „Diese Momentaufnahme ist nicht das ganze Leben“, betont Barth.

Mit mehr Kommentaren gerechnet

Rückblickend habe er bei seinem Experiment sogar mit einem schlimmeren Shitstorm und mehr Kommentaren gerechnet, so der Berliner Comedian. Fast könne man den Eindruck gewinnen, die „Hater“ seien etwas müde geworden. Niemand habe „irgendwie so 'ne Nazi-Keule“ ausgepackt. Die meisten Nutzer hätten klüger reagiert.

Am Ende seines zehnminütigen Videos kündigt Barth an, dass der Mann auf dem Foto demnächst in der RTL-Sendung „Mario Barth räumt auf!“ zu sehen sein werde. In der Folge gehe es um die Frage, wie Obdachlosen in der nahenden kalten Jahreszeit geholfen werden könne. Denn in einem Punkt, so Barth, hätten die Empörten durchaus richtig gelegen: Der junge Mann lebe auf der Straße. Dies gelte es nun zu ändern.