Berlin - Der Mann hat jetzt ganz viele neue Freunde in der Partei: Boris Velter, 44, Kreisvorsitzender der SPD im Bezirk Mitte, kann zurzeit kaum den Hörer aus der Hand legen. Alle wollen ihn sprechen, alle wollen wissen, wo er steht und was man eventuell sonst so für ihn tun könne. Denn Velter führt den für die Führungsfrage in der Hauptstadt-SPD mutmaßlich entscheidenden Kreisverband.

Michael Müller oder Jan Stöß lautet die Alternative, vor die exakt 225 Delegierte am 9. Juni 2012 auf dem Parteitag im Neuköllner Hotel Estrel gestellt sind. Müller, seit acht Jahren im Amt, will Parteichef bleiben; Stöß, Sprecher der Partei-Linken, will es werden. Wenn die beiden Unterstützerlager richtig gezählt haben, sind ihnen je knapp hundert Stimmen aus den elf anderen Kreisverbänden schon mal sicher. Und das heißt: Wer auch noch Mitte hat, der hat gewonnen.

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Pech nur, dass sich Velter – erst seit ein paar Wochen als Nachfolger des langjährigen Kreischefs Christian Hanke im Amt – nicht in die Karten schauen lässt. Er sei unabhängig, sagt er: „Ich gehöre keinem Flügel der Partei an – und ich will auch keinen neuen gründen.“ Dafür macht er es spannend: Für den 3. Mai hat Velter, zurzeit in der Brandenburger Landesvertretung beschäftigt, zu einer Delegiertenversammlung seines Bezirks anberaumt, zu der auch die zwei Kandidaten eingeladen sind. Beide haben bereits zugesagt.

Es könnte sogar anschließend zu einer Nominierung kommen, die Tagesordnung lässt das zu – also gewissermaßen einer Vorentscheidung. Velter jedenfalls rechnet durchaus mit hohen Teilnehmerzahlen. „Es ist objektiv so, dass unser Kreis jetzt eine besondere Rolle spielt“, sagt er.

Zum Müller-Lager werden die großen Westverbände Charlottenburg-Wilmersdorf (31 Delegierte), Steglitz-Zehlendorf (29) und Tempelhof-Schöneberg (27) gezählt, dazu Treptow-Köpenick (9). Zu Jan Stöß halten demnach Friedrichshain-Kreuzberg (21), Spandau (13), Pankow (21), Neukölln (18) , Reinickendorf (17) sowie mutmaßlich auch die kleinen Ostverbände Lichtenberg (7) und Marzahn-Hellersdorf (5). Das Votum im SPD-Kreis Mitte, so groß wie der Westverband Tempelhof-Schöneberg, würde also den Ausschlag geben. Ohnehin haben sich in den vergangenen Jahren die Kreise im Osten verstärkt, die Mitgliederzahlen wachsen. Gerade in Mitte, sagt Velter, liege der „Nukleus für eine moderne Großstadtpartei“. Zu den Kandidaten lässt er sich nur Lob entlocken: Beide seien „wirklich gut“.