Das vermisste Mädchen Maddie McCann.
Foto: AFP/METROPOLITAN POLICE

OranienburgIm Fall der verschwundenen Madeleine McCann führt eine Spur auch zu einer Drogendealerin aus Oranienburg. Das berichtet die Märkische Oderzeitung (moz). Die wahre Identität der Frau sei den Ermittlern allerdings nicht bekannt. Sie sei „Julia“ genannt worden.

Christian B., der Tatverdächtige in dem Fall Maddie McCann, soll demnach mehrere Wochen nach dem Verschwinden des damals dreijährigen Mädchens mehrere Monate mit der Drogendealerin Kontakt gehabt haben.

Laut dem Bericht wollte Christian B. Drogen nach Sylt schmuggeln. Hierfür soll er vom Sommer 2007 bis zum Frühjahr 2008 mehrfach Marihuana bei einer „Julia“ in Oranienburg gekauft haben. Laut Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp konnte die Frau jedoch nicht ausfindig gemacht werden, da sich Christian B. im Prozess wegen Drogenhandels, in dem er zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, weigerte, Angaben zu machen.

Die Polizei vermutet nun, dass „Julia“ etwas über das Verschwinden von Madeleine McCann wissen könnte. Vielleicht habe sich der Verdächtige ihr gegenüber geäußert, aber sie schweigt aus Angst vor einer eigenen Strafe wegen des Drogendeals. „Falls dies so sein sollte, kann man natürlich nur hoffen, dass sich die Frau trotzdem irgendwie dazu äußert – wenn auch anonym“, sagte Ariane Feierbach von der Polizeidirektion Nord der moz. Auch andere Mitglieder der Drogenszene in Oranienburg aus den Jahren 2007 und 2008 könnten Details wissen, so Feierbach. Mögliche Zeugen sollen sich bei der Polizei melden.

Maddie McCann war am 3. Mai 2007 aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Der nun Beschuldigte Christian B. lebte zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Der 43-Jährige sitzt derzeit in Kiel eine Haftstrafe wegen des Drogenhandels ab, die das Amtsgericht Niebüll 2011 gegen ihn verhängt hatte. Parallel ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet. Denn zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

Derweil sucht die Staatsanwaltschaft Stendal nach möglichen Verbindungen zwischen dem Fall Maddie und dem der vor fünf Jahren in Sachsen-Anhalt verschwundenen kleinen Inga. Es werde geprüft, ob es Anhaltspunkte für Zusammenhänge gebe und ob sich daraus ein Anfangsverdacht gegen den Tatverdächtigen im Fall Maddie ergebe, so die Staatsanwaltschaft in Stendal.