Berlin - In der fabrikneuen U-Bahn kommt selbst ein rationaler Mensch wie Rolf Erfurt ins Schwärmen. „Wie das riecht!“, sagt der Betriebsvorstand der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Noch glänzen die Sitzbezüge wie frisch shampooniert, noch verunziert kein Fleck den Boden. In dieser Bahn ist noch nie ein Döner Kebap gegessen, noch nie Kaffee verschüttet worden. Rolf Erfurt ist am Dienstagmorgen nach Velten gefahren, um dabei zu sein, wenn das jüngste Exemplar der Baureihe IK für den Transport zur BVG vorbereitet wird. In der Kleinstadt nordwestlich von Berlin befindet sich das Inbetriebnahmezentrum des Fahrzeugherstellers Stadler, der die U-Bahn 5078 in Pankow gebaut hat. Mit ihr endet die Lieferung von 54 Vier-Wagen-Zügen dieses Typs.

„Gleich geht es zur Übergabestelle in Wuhletal“, erklärt BVG-Projektleiter Felix Fischer. „Von dort aus wird der Zug in die U-Bahn-Betriebswerkstatt Friedrichsfelde gebracht.“ Wenn die Stromabnehmer montiert sind und die Technische Aufsichtsbehörde das Neufahrzeug abgenommen hat, beginnt der Einsatz – voraussichtlich nächste Woche.

„Auch dieser IK-Zug wird zunächst auf der Linie U5 fahren“, sagt Fischer. Und auch er hat „Blumenbrettern“ bekommen. So heißen die seitlichen Anbauten, die verhindern sollen, dass Fahrgäste oder Gegenstände in den Spalt zwischen Zug und Bahnsteig fallen. Ursprünglich wurde die Baureihe für die Linien U1 bis U4 entworfen, die wegen ihrer schmalen Tunnel als Kleinprofil bezeichnet werden. Die Strecke vom Hauptbahnhof nach Hönow gehört jedoch dem Großprofil an. Deshalb mussten die Züge angepasst werden.

Foto: Berliner Zeitung/ Peter Neumann
Mit diesem Zug endet die Lieferung der IK-Bahnen: BVG-Betriebsvorstand Rolf Erfurt (links) und Jure Mikolčić, Chef von Stadler Pankow.

Ursprünglich hatte die Baureihe einige Kinderkrankheiten, so Erfurt. „Inzwischen sind wir mit der Qualität zufrieden.“ Bei den Fahrgästen stoßen die IK-Bahnen weiterhin auf ein geteiltes Echo, obwohl die BVG versuchte, mit dem Spitznamen „Icke“ Sympathien zu erzeugen. Die vielen Info-Bildschirme im Innern erzeugen ein Gefühl der Enge. Auch die ungepolsterten Sitze stoßen auf Kritik. Zudem gebe es pro Vier-Wagen-Züge gerade mal 72 feste Sitzplätze – Negativrekord. Und für Fahrräder gebe es nur wenig Platz.

Inzwischen wurde die Zahl der Monitore reduziert, entgegnet Felix Fischer. Doch noch sei es leider so, dass die angezeigten Informationen nicht immer stimmen, bestätigt Rolf Erfurt. Seit 2015, als die Lieferung der Baureihe begann, wurde die Software weiterentwickelt. Die Versionen vertragen sich nicht immer.

Unterdessen bereitet sich Stadler auf die Abwicklung des nächsten U-Bahn-Auftrags vor. Es ist der größte in der Geschichte der BVG: Die neue Baureihe J/JK wird mindestens 606 und maximal 1500 Wagen umfassen. Der Industriestandort Berlin profitiert. „Wir bauen eine zweite Montagehalle und stellen rund 130 Beschäftigte ein“, sagt Jure Mikolčić, Chef von Stadler Pankow. Im Herbst 2022 kommen die ersten Testfahrzeuge.