Vor einem Jahr stürzte ein Auto von der Langen Brücke in Köpenick ins Wasser. Zwei der vier Insassen starben. Laut Polizeibericht fuhr der Pkw zu schnell, aber ein Gutachter empfahl auch dringende Nachbesserungen am Unfallort. Die Bordsteinkante der Brücke sei zu erhöhen und ein zusätzliches Geländer anzubringen. Erst jetzt, ein Jahr danach, wird dies getan.

Die Lange Brücke, die zwischen Spindlersfeld und Schlossplatz Köpenick über die Dahme führt, ist über 100 Jahre alt und denkmalgeschützt. In den 1990er-Jahren, während ihrer Sanierung, wurde daneben die Behelfsbrücke errichtet, an der der Unfall geschah. Beide Bauwerke zählen zu jenen 83?Brücken in Berlin, die offiziell als Sanierungsfall gelten.

Auf der Mängelliste des Senats kommt Treptow-Köpenick besonders oft vor. Von den 40 Brücken, die so kaputt sind, dass sie abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden müssen, stehen sechs im Süd-Ost-Bezirk. Dazu zählen unter anderem die Salvador-Allende-Brücke, die Fahlenbergbrücke nach Gosen und die Nördliche Rialtobrücke in Neu-Venedig.

Für viele marode Bauten gibt es noch keinen Rettungsplan

Dringend saniert werden müssen zudem die Germanenstraßenbrücke in Altglienicke, die Teltowkanalbrücke an der Wegedornstraße und die Brücke Am Falkenberg. Der Grünen-Abgeordnete Harald Moritz fürchtet, dass es noch viel mehr kaputte Querungen gibt: „Jedes Jahr kommen marode Brücken hinzu, weil nichts abgearbeitet wird.“

Im Senat, so sein Vorwurf, gebe es keine Prioritätenplanung. Das wird von der Stadtentwicklungsverwaltung sogar bestätigt. Eine konkrete Zeitangabe und Reihung für die Abarbeitung aller anstehenden Projekte sei nicht möglich, heißt es dort. Begründung: Personalmangel in der zuständigen Tiefbau-Abteilung führe dazu, dass aktuell festgestellte Baumängel zu immer neuen Prioritäten führten.

Moritz hält es für erschreckend, dass für viele kaputte Brücken nicht einmal eine Planung existiere. So wie für die Salvador-Allende-Brücke. Die Spree-Querung ist eine der wichtigsten Verbindungen in Köpenick, sie ist aber so kaputt, dass der westliche Teil seit einem Jahr gesperrt ist. Mit dem Neubau einer Ersatzbrücke sollte in diesem Herbst begonnen werden. Doch die Arbeiten wurden ins Jahr 2018 verschoben, nachdem die Planungskosten von 15,5 Millionen Euro auf 31,5 Millionen Euro explodierten. Die neue Summe muss jetzt noch von der Finanzverwaltung genehmigt und im Abgeordnetenhaus beschlossen werden.

Zukunft der baufälligen Köpenicker Brücken noch unklar

Bisher stellt das Land pro Jahr 44 Millionen Euro für Ersatzbrückenbauten bereit, für Sanierungsarbeiten 8,5 Millionen Euro. Dazu kommt Geld vom Bund aus einem Sonderprogramm, dieses Jahr erhielt Berlin 10,9 Millionen Euro. Doch am Geld allein liege es nicht, dass es nicht vorangehe, sagt Harald Moritz: „Der Senat stellt kein Personal ein und nimmt so stillschweigend in Kauf, dass die Infrastruktur verfällt.“

Wie lange es indes die beiden baufälligen Brücken am Köpenicker Schloss noch geben wird, ist ungewiss. Ein Statiker habe errechnet, dass beide Bauwerke noch bis etwa 2019/20 stabil seien, sagt Bezirksbaustadtrat Rainer Hölmer (SPD). Man sollte also zügig entscheiden, ob beide Brücken saniert oder ob sie abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt werden. Eine Planung gibt es noch für keine der beiden Varianten.