Bald abgerissen? Noch stehen die Jacob- und Wilhelmhütten.
Foto: Andreas Klug

Berlin-MitteBaustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hat ernst gemacht und den Märchenhütten im Monbijoupark eine Nutzungsuntersagung und Beseitigungsanordnung zum Abbau der „Wilhelm und Jacob“-Hütten zugestellt. Bei einem Pressegespräch am Mittwoch las einer der Schauspieler, Tobi Schulze, die Anordnung vor Publikum vor.

Sofortiges Ende der Märchenhütten ist unklar

Ob sie wirklich das sofortige Ende für die Märchenhütten im Monbijoupark bedeutet, ist allerdings noch unklar. Zwar ist ihr eigentlich innerhalb von drei Tagen Folge zu leisten, die Betreiber der Märchenhütten planen aber, vor dem Verwaltungsgericht gegen den Bescheid vorzugehen. Noch glaubt Betreiber Christian Schulz daran, dass die Märchenhütten die Spielzeit wie geplant bis Ende Dezember laufen lassen können.

Die Zustellung der Nutzungsuntersagung ist nur die jüngste Zuspitzung von Querelen zwischen den Theaterbetreibern und dem Bezirk um die Märchenhütten und das Monbijoutheater.

Schon im Frühjahr hatte die Bezirksverordnetenversammlung Mitte dem Monbijou-Theater und damit auch den Märchenhütten die Genehmigung für die erneute Nutzung des Areals gegenüber vom Bode-Museum im Monbijoupark untersagt. Theater gespielt wurde dort im Sommer trotzdem, allerdings von einer Gruppe, die sich vom Original- „Monbijou-Theater“ abgespaltet hatte.

Unterschiedliche Gründe für Ende des Theaterbetriebes

Die Märchenhütten hatten am 22. November wie jeden Winter seit 13 Jahren Premiere gefeiert, trotz der fehlenden Erlaubnis und trotz einer rechtsverbindlichen Mitteilung von Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) kurz vorher, dass das Theaterspielen im Park nicht möglich sei.

Die Märchenhütte vor dem Bode-Museum.
Foto: Andreas Klug

Die Begründungen, die  gegen den Theaterbetrieb im Park angeführt werden, sind durchaus unterschiedlich: Während die Bezirksverordnetenversammlung im Frühjahr angeführt habe, die Flächen nur noch an gemeinnützige Träger vergeben zu wollen, hatte Gothe dem rbb bezüglich der Märchenhütten Ende November erklärt, es handele sich beim Monbijoupark um eine Grünanlage mit einem Bebauungsplan, der das auch festsetze.

In der Vergangenheit seien die Hütten geduldet worden, aber es sei seit diesem Frühjahr klar gewesen, dass diese Duldung nicht verlängert werde. Zur erneuten Nutzungsuntersagung teilte Gothe mit: „Dem Eigentümer der Märchenhütten wurde zu keinem Zeitpunkt in Aussicht gestellt, die Märchenhütten weiter betreiben zu können.“

Von einem der auszog, das Theater zu retten

Christian Schulz hatte bereits vergangene Woche angekündigt, die Spielzeit der Märchenhütten, die regulär bis Ende Februar andauert, um zwei Monate zu verkürzen. „Wir haben einen gültigen Mietvertrag für das Areal, der Theaterbetrieb ist beim Gewerbeamt ordnungsgemäß angezeigt, die Hütten sind geprüft und brandsicher – trotzdem werden uns nur Steine in den Weg gelegt“, hieß es in einer Mitteilung der Märchenhütten und Monbijoutheater gGmbH.

„Das erfolgreichste freie Theater Berlins gibt unter diesen Bedingungen an diesem Ort auf.“ Die Märchenhütte besteht aus zwei Holzhütten, die im Monbijoupark auf einem alten Bunker stehen. Die Märchenaufführungen sind bei Berlinern und Touristen äußerst beliebt. Klarheit darüber, ob und wie lang sie nun tatsächlich noch bleiben dürfen, könnte es bereits am Freitag geben.

Betreiber Christian Schulz hat vor dem Verwaltungsgericht Einspruch gegen die Schreiben des Baustadtrats eingelegt. Er ist sich sicher, viele Unterstützer zu haben: „Ich kann selbstbewusst sagen: Die Berliner wollen die Märchenhütte behalten.“