Strausberg. Die märkischen Piraten gehen mit dem 27 Jahre alten Angestellten Veit Göritz an der Spitze der Landesliste in den Bundestagswahlkampf. Der politische Geschäftsführer des Landesverbandes setzte sich am Samstag in Strausberg gegen die deutschlandweite bekannte Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg durch. Der in Eberswalde wohnende Göritz bekam 55 Stimmen, Domscheit-Berg 45. «Jetzt müssen wir zunächst einen guten Wahlkampf hinlegen, um dann auch im Bundestag an einer wirklichen Veränderung der Politik arbeiten zu können», erklärte Göritz nach seiner Wahl.

Namhafte Piraten bedauerten die Entscheidung ihrer Parteikollegen. Marina Weisband, ehemalige politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland, twitterte nach der Wahlentscheidung: «Das mit @anked war jetzt ein herber Verlust. Wir brauchen Leute, die länger mit der Materie gearbeitet haben.»

Im zweiten Wahlgang entschieden sich dann 50 der 94 Delegierten für Domscheit-Berg. Die 44-Jährige nahm die Wahl an und versprach, sich jetzt «voll» in den Wahlkampf der Piraten «hineinzuhängen». Allerdings sieht sie für sich selbst kaum eine Chance, mit Listenplatz 2 den Sprung in den Bundestag zu schaffen. Derzeit liegen die Piraten bundesweit in Umfragewerten zwischen vier und fünf Prozent. Damit es die Netzaktivistin dennoch schaffen könnte, wären bei der Bundestagswahl mehr als zehn Prozent der Wählerstimmen notwendig.

«Erklärtes Ziel der Piratenpartei Deutschland ist die Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde und somit der erste Einzug einer neuen Partei in den Deutschen Bundestag seit dem Jahr 1983», sagte der märkische Parteichef Michael Hensel. «Ich glaube fest an unseren Einzug.» Deshalb wurde in Strausberg eine Landesliste mit sieben Kandidaten aufgestellt. Auf den weiteren Listenplätzen nach Göritz und Domscheit-Berg folgen Christoph Brückmann, Jens Knoblich, Holger Kipp, Katharina Kühnel und Jürgen Voigt. Es gab 30 Bewerber.

«Probleme wie vor einem Jahr in Berlin werden wir so in Brandenburg nicht haben», betonte Hensel. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus erreichten die Piraten vor einem Jahr aus dem Stand 8,9 Prozent. Um ein Haar hätte die Landesliste mit 15 Kandidaten nicht ausgereicht, da genau 15 Mandate an die Neulinge gingen. (dpa/bb)