Eigentlich ist Khalil Sharaf gelernter Rechtsanwalt. Er ist 29 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Jetzt trägt er Helm statt Robe und baut in den nächsten zwei, drei Wochen einen Spielplatz. Zusammen mit 20 anderen Geflüchteten aus Eritrea, Ägypten oder dem Iran. Er selbst stammt aus Syrien.

Bislang stehen auf der Wiese hinter der Apostel-Petrus-Kirche im Märkischen Viertel nur große Stellwände mit Skizzen von Seilschaften und Holzpfeilern. Es sind Pläne für einen Niedrig- und Hochseilgarten, den Geflüchtete aus Reinickendorf bauen werden. Nebenan gibt es schon einen Spielplatz für Kinder. Eine Rutsche und eine Schaukel zum Austoben. Aber es geht auch mehr um die Symbolik beim Spatenstich am Donnerstagnachmittag auf dem Gemeindegelände. „Wir wollen einen Impuls setzen gegen die negative Stimmung, die den Geflüchteten leider auch hier im Märkischen Viertel entgegenschlägt. Und den Männern wollen wir eine Chance geben, mit Berliner Unternehmen in Kontakt zu kommen“, sagt die Geschäftsführerin der Gemeinde Ute Strelow.

Projektbeteiligte und Sponsoren tragen nagelneue Bauarbeiterhelme in Grün, Orange und Blau die vermitteln: Jetzt geht es los. Zum Spatenstich am Donnerstagnachmittag kommen die Verantwortlichen mit den Bewohnern des Viertels und den Flüchtlingen zusammen. Man unterhält sich noch etwas holprig, die Reinickendorfer können kein Arabisch und Khalil Sharaf aus Syrien kann noch nicht gut genug Deutsch, um auf alle Fragen zu antworten. Ein Dolmetscher übersetzt flüsternd, worüber es in den Reden der Sponsoren geht, was sie von Khalil Sharaf und den anderen Geflüchteten wissen wollen.

„Ich fühle mich nicht fremd hier,“ sagt Khalil Sharaf, „aus den Medien hatte ich vorher ein anderes Bild, dass man hier nicht erwünscht sei,“ sagt er. Aber das habe sich nicht bewahrheitet. „Ich möchte nur gerne arbeiten, irgendetwas tun.“ Sein Zuhause heute ist das Marie-Schlei-Haus, eine Flüchtlingsunterkunft in Wittenau. „Ich fühle mich zu Hause,“ sagt Khalil Sharaf, „auch weil hier ganz viele Menschen unterschiedlicher Kulturen leben.“

110 verschiedene Nationalitäten zählt man allein im Märkischen Viertel. In ganz Reinickendorf gibt es zwölf Flüchtlingsheime. Ab Montag gehen 21 junge Männer aus diesen Unterkünften ans Werk, sägen und hämmern einen Niedrig- und Hochseilgarten für die Nachbarskinder. Auch Parkbänke, Kinderwagen- und Fahrradschuppen sind geplant. Es gab noch mehr Freiwillige, aber erst im Frühjahr geht das Projekt weiter. Dann sollen neu angelegte Hochbeete das Gelände verschönern. Die Gärtnerarbeiten übernehmen geflüchtete Frauen.

Sponsoren wollen einstellen

Das Projekt soll auch eine Chance für die Geflüchteten sein. Um danach eine Arbeitsstelle oder zumindest einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Projektpartner sind Unternehmen aus der Region. Die evangelische Apostel-Petrus-Gemeinde kooperiert außerdem mit dem Face Familienzentrum, dem Diakonischen Werk Reinickendorf und der Reinickendorfer Integrationsbeauftragten.

Warum die Sponsoren aus Handwerk und Bau die Männer nicht schon jetzt eingestellt haben? „Ich würde gerne Flüchtlinge beschäftigen, kann es aber nicht. Die Politik legt mir zu viele Steine in den Weg,“ sagt Bernd Bergmann, seine Firma Theodor Bergmann für Sanitäranlagen ist Mitsponsor.

Wie eine Integration von Geflüchteten wie Khalil Sharaf in den Arbeitsmarkt im Anschluss an das Projekt einfacher gehen soll, ist noch ungewiss. Ein Anfang aber ist getan.