Berlin - Das Catering-Unternehmen Sodexo, das im Verdacht steht, die massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen in Berlin und mehreren ostdeutschen Ländern ausgelöst zu haben, wirft den verantwortlichen Behörden Informationschaos vor. Es sei wenig hilfreich, dass „die Ämter in unterschiedlichen Richtungen unterwegs sind“, sagte Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt der „Berliner Morgenpost“. So habe ein Behördenmitarbeiter bereits Tomatenmark als Krankheitsquelle verkündet, eine andere Stelle habe dies jedoch ausgeschlossen.

Noch ist die Ursache für die Krankheitswelle, die vor allem Kinder traf, unklar. Neue Erkenntnisse könnte ein aktueller Lagebericht bringen, den das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) am Nachmittag veröffentlichen wollte. Ob dann die Ursache genannt werden könne, sei noch nicht klar, sagte eine RKI-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Auch ein Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sagte, es sei „noch alles offen“.

Experten aus Bund und Ländern gehen bislang davon aus, „dass der Ausbruch nur durch ein kontaminiertes Lebensmittel beziehungsweise eine Charge einer Lieferung ausgelöst wurde“. Möglicherweise sind Noroviren oder auch Gift-bildende Bakterien Schuld an dem Ausbruch.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung wollte mit der Firma Sodexo verhandeln, ob die Essens-Lieferungen in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden. Am Montag wurde an Berliner Kindertagesstätten und Horten kein Essen von der Rüsselsheimer Catering-Firma Sodexo ausgegeben. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung sagte der dpa, dass die Erzieher der betroffenen Kitas und Schulen die Erlaubnis hätten, Essen für zwei Euro pro Kind zu kaufen. Wenn das Geld nicht ausreiche, dürften sie auch mehr ausgeben, sagte ein Mitarbeiter. In Berlin sind derzeit Herbstferien, die Schulen betreuen aber einige Kinder in Horten.

Die Verwaltung empfiehlt Eltern weiterhin, ihren Kindern Essen mitzugeben. Bundesweit sind seit der vergangenen Woche mehr als 8000 Schüler und Kindergartenkinder erkrankt, darunter mehr als 2200 in Berlin. Die betroffenen Einrichtungen wurden alle von Küchen der Firma Sodexo beliefert. Ein Sprecher hatte am Sonntag erklärt, dass es im Produktionsprozess keine Ungereimtheiten gebe.

Um die Ursache so schnell wie möglich zu finden und den Ausbruch der Magen-Darm-Erkrankungen zu stoppen, war eine Task Force unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingerichtet worden. Beteiligt sind auch das RKI, das BfR und Vertreter der zuständigen Länderbehörden. (dapd/dpa)