Magieladen „Zauberkönig“: Hokuspokus in Neukölln

Berlin - Der Laden war jahrzehntelang eine echte Besonderheit in der Neuköllner Hermannstraße. Seit 1952 gab es dort den „Zauberkönig“, ein Fachgeschäft für Zauberartikel, Scherzartikel, Masken und Kostüme für Fasching und Partys. Gegründet wurde das Geschäft bereits 1884. So steht es immer noch in altmodischem Schriftzug über dem Ladeneingang.

Mit der Firmen- und Familiengeschichte ist Karen Goetzke noch nicht so vertraut, und auch die Zauberei spielte im Leben der 26-jährigen Studentin der Kulturwissenschaften und Polonistik bisher keine große Rolle. Dabei hat ihr Großvater Günter Klepke den Familienbetrieb von 1978 bis 1995 geführt. Er war der Zauberkönig, er kannte die vielen Tricks und Kniffe, er war bekannt für seine Zaubereien mit Seilen.

Einige dieser Tricks wird der 82-jährige Günter Klepke auch am Sonnabend zeigen, denn dann eröffnen seine Enkelin Karen Goetzke und ihre Freundin Kirsi Hinze den „Zauberkönig“ nach einer mehrmonatigen Schließzeit mit einem kleinen Fest auf der Straße. Zauberer treten auf, Jongleure und Akrobaten.

So unerfahren einen Laden für Zauberzubehör zu übernehmen, das ist nicht nur mutig, das ist ein Experiment. Und so sind die beiden neuen Betreiberinnen einen Tag vor der Eröffnung schon ziemlich aufgeregt und ängstlich. Die Schaufenster müssen sie noch dekorieren, die letzten Spuren vom Umbau beseitigen. Doch die Frauen, sie kennen sich seit dem 12. Lebensjahr, haben sich nun mal für das gemeinsame Projekt entschieden. „Am Anfang war das eine Spaßidee, wir dachten nicht, dass sie Wirklichkeit wird“, sagt Kirsi Hinze. Die 26-Jährige ist gelernte Grafikdesignerin.

„Charme des Alten“

Die Spaßidee entstand im Oktober 2011. Da hatte sich die damalige Inhaberin Mona Schmidt, sie ist Karen Goetzkes Tante, entschieden, ihr Geschäft aufzugeben, sie fragte ihre Enkelin und die beriet sich mit ihrer Freundin Kirsi. Zu Jahresbeginn gründeten sie eine Firma und begannen den Laden zu renovieren. Sie verkleinerten den Verkaufstresen, entfernten die Schaufensterverkleidung, es ist jetzt offener und heller im Raum. Vom Ladentisch aus schauen sie nun auf die Hermannstraße mit ihren Dönerbuden, Kneipen und Geschäften.

Den „Charme des Alten“, wie sie sagen, wollen die beiden Frauen im „Zauberkönig“ erhalten. In den Regalen und Vitrinen befindet sich also immer noch dieses Sammelsurium aus Scherzartikeln wie Furzkissen, künstliche Hundekacke und Feuerzeugwasserspritze, einer Auswahl an Vollbärten zum Ankleben, Affenköpfen und Teufelsmasken zum Aufsetzen, etlichen Kostümen und Schminke, sowie Utensilien für Zaubertricks, etwa Spielkarten, Seidentücher, präparierte Kästen und Kisten, aus denen wahre Zauberkünstler später Kaninchen ziehen.

Wochenlang haben Karen Goetzke und Hirsi Hinze den Warenbestand gezählt, jetzt kennen sie die mehr als 1 000 Produkte. Sie wollen das Sortiment erweitern, Kostüme soll es auch zum Ausleihen geben. Sie haben sich bei den Berliner Zauberfreunden“ vorgestellt, jenen etwa 50 professionell arbeitenden Magiern der Stadt. Und auch die vielen kleinen Tricks, die Zauberladenbesitzer beherrschen sollten, werden sie lernen. Jeden Sonnabend kommt Zauberkönig Günter Klepke in den Laden und wird dort seiner Enkelin und ihrer Freundin das Zaubern beibringen.

Zauberkönig, Hermannstraße 84, Neukölln, Di–Sa 11–19 Uhr