Siebzig Jahre nach dem Holocaust richtet Deutschland unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erstmals die jüdischen Sportspiele in Berlin aus. 2300 Teilnehmer aus 37 Ländern kämpfen in 19 Sportarten um Medaillen. Anlass für viele Neonazis, ihr rechtsextremes Gedankengut im Netz zu verbreiten – Kommentare, die an Widerwärtigkeit und Antisemitismus nicht zu übertreffen sind.

Benjamin Steinitz von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) beobachtet täglich die Kommentare in den einschlägigen Foren. Er sieht in den aktuellen Beiträgen keine konkrete Bedrohung, da zu keinen Aktionen aufgerufen werde. „Ich will aber auch nichts beschönigen“, sagt er. „Die Aussagen sind widerlich und offen judenfeindlich. Es sind die ersten öffentlichen Einträge dieser Art zu den Makkabi-Spielen.“

Übergriffe melden

Rias baut in Kooperation mit jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen ein Meldesystem für antisemitische Vorfälle auf. Seit dem 20. Juli ist die Seite www.report-antisemitism.de online. Dort kann jeder antisemitische Übergriffe jeder Art melden.

„Wir wurden am Montag auf die Kommentare im Netz aufmerksam gemacht. Wir sind zwar nicht überrascht, aber erschrocken, ob der Eindeutigkeit und Aggressivität der Beiträge“, sagt Fabian Weißbarth, Sprecher des American Jewish Committee (AJC) Berlin. Man erkenne daran, dass der Vernichtungsantisemitimus bei den extremem Rechten eine große Rolle spielt. Auch Weißbarth sieht jedoch keine direkte Bedrohung. „Die Polizei hat ein gutes Sicherheitskonzept“, so Weißbarth.

Die Berliner Polizei bewacht das Olympiagelände und auch das Hotel Estrel in Neukölln, in dem 2000 Sportler wohnen. Die Behörden wollen sich zu konkreten Schutzmaßnahmen nicht äußern. „Wir sind uns aber des Sicherheitsbedürfnisses bei den Makkabi Spielen bewusst und sind mit bis zu 600 Beamten im Einsatz“, sagt Polizeisprecher Stefan Redlich. „Uns sind auch die Schmähungen im Internet bekannt, der Staatsschutz prüft, ob die Einträge strafrechtlich relevant sind und leitet gegebenenfalls ein Ermittlungsverfahren ein.“