Berlin - Harald Huth hat mit seinen Generalunternehmern wirklich Pech. Schon zum zweiten Mal ist die Firma, die für den Entwickler des Milliardenprojekts Mall of Berlin am Leipziger Platz die Bauarbeiten abwickelte, in die Pleite geschlittert. Merkwürdig nur: Die jetzt in die Zahlungsunfähigkeit geratene FCL Fettchenhauer Controlling GmbH hatte den selben Chef, wie die Berliner BSS Beton-System-Schalungsbau GmbH, die im Sommer 2013 Insolvenz anmeldete: Nämlich den Berliner Andreas Fettchenhauer, der 2011 schon in den Fokus bundesweiter Ermittlungen wegen Schwarzarbeit geraten war.

Er habe jetzt die Konsequenzen gezogen und seinem Generalunternehmer gekündigt, sagte Huth am Donnerstag der Berliner Zeitung. „So wollen wir nicht mehr weiter- machen. Die Zusammenarbeit ist im Nachhinein sicher ein Fehler gewesen.“ Er wolle das Projekt jetzt alleine zu Ende bringen. Bislang stehen der Bau von Wohnungen, Büros und einem Hotel am Leipziger Platz noch aus.

Mit erheblicher Verzögerung war die Mall of Berlin, eines der größten Einkaufszentren Berlins, erst im September feierlich eröffnet worden. Der ehemalige Regierende Klaus Wowereit war dabei und auch sein Nachfolger Michael Müller. Doch seit einigen Wochen macht die Mall nur noch Negativschlagzeilen. Arbeiter aus Rumänien protestieren, weil sie für ihre Schufterei keinen Lohn erhielten. Die Außenstände bei Mittelständlern sollen sich auf über vier Millionen Euro belaufen. Es gibt Brandschutzmängel, die spätestens bis zum 17. Dezember behoben werden müssen.

Etwa 30 der um ihren Lohn geprellten Arbeiter hatten sich an die Beratungsstelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gewendet, die seit dreieinhalb Jahren Betroffene in solchen Fällen berät. Die Nachfrage steige ständig, sagt DGB-Sprecher Dieter Pienkny. Die Außenstände der Mall-of-Berlin-Arbeiter sollen sich pro Person auf rund 2500 Euro belaufen. Bei der Auszahlung von Abschlägen über 450 Euro hätten aber die meisten „ein dubioses Schreiben“ unterzeichnet. Damit hätten sie auf weitere Ansprüche verzichtet, sagt Pienkny.

Auch wenn es dafür rechtlich keine Handhabe gibt, sieht der DGB den Projektentwickler „zumindest moralisch in der Pflicht“, die betroffenen Arbeiter zu entschädigen, sagt Pienkny. Harald Huth sieht das ganz anders. „Wir haben nichts mit den Arbeitern zu tun. Das ist Angelegenheit der FCL, die wir für alle erbrachten Leistungen vollständig bezahlt haben.“ Und nach Angaben der Fettchenhauer-Firma seien auch die Löhne an die Arbeiter ausgezahlt worden. Fettchenhauer selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Nach der Insolvenz der BSS 2013, bei der Fettchenhauer Geschäftsführer war, fungierte die FCL als Generalunternehmer. Harald Huth sagt, zuvor hätten die beiden Fettchenhauer-Firmen eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Die FCL sei dann „automatisch“ übrig geblieben.

Zu den 2011 publik gewordenen Vorwürfen, die beispielsweise auch am Bau des BER, des Sony-Centers oder des Tempodrom beteiligte BSS solle Teil eines Netzwerks gewesen sein, das Schwarzarbeit auf dem Bau professionell organisierte, äußert sich Huth nicht. Die Berliner Staatsanwaltschaft kann zum Ausgang der damaligen Ermittlungen keine Angaben machen. Aber sie prüft eine Anzeige wegen Insolvenzverschleppung bei der FCL.